Farbige Akzente im „neuen Berlin“ – Fassadengestaltung mit glasierten Klinker-Riemchen
 
   
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Architekturbüro Spiegel, Berlin
Fotos: Wolfgang Schumann, Hamburg
   

Berlin – Stadt mit langer Tradition und Geschichte, aber auch Stadt der Extreme, der neuen Trends und Entwicklungen. Das Gesicht der neuen deutschen Metropole hat sich in den Jahren seit der Wiedervereinigung in vielen Bereichen grundlegend gewandelt. Früher getrennte Stadtteile sind zusammen gewachsen und haben eine gemeinsame Identität gefunden. Andere wiederum sind ganz neu entstanden oder immer noch im Entstehen. So auch der Bereich um den „berühmt-berüchtigten“ Checkpoint Charly, dem ehemaligen Grenzübergang zwischen Ost- und Westteil. Hier im neuen Berliner Kern hat sich eine Geschäfts- und Wohngegend entwickelt, die von modernen Neubauten geprägt ist. Mit dem Charlotten-Carrée – einem großen, siebenstöckigen Wohn- und Geschäftshaus an der belebten Zimmerstraße in Berlin Mitte – ist dem für die Planung zuständigen Architekturbüro Spiegel eine gelungene Synthese von Alt und Neu gelungen: die Gestaltung einer modernen Fassade mit glasierten Klinker-Riemchen. Glasierte Klinker aus gebranntem Ton sind ein Baustoff mit Jahrhunderte alter Tradition. Schon die alten Baumeister in Babylon, Assur und Susa setzten bei der Gestaltung ihrer Bauten auf den Effekt farbig glasierter Ziegel und kombinierten mit Formziegeln eindrucksvolle Reliefs, deren Farbschönheit bis heute eindrucksvoll erhalten ist.

Auch heute sind farbig glasierte Keramik-Klinker die „Kreativ-Bausteine“ im Mauerwerk. Sie setzen Akzente, umrahmen Fenster und Türen oder betonen Grenadierschichten und dekorativ abgesetzte Füllungen. Das Architekturbüro Spiegel hat die glasierten Klinker-Riemchen von Röben eingesetzt, um die Fassade in ihrer Gesamtheit zu gestalten. Die praktisch ganztägig vom direkten Sonnenlicht nicht erreichbare Nordfassade des streng gegliederten Gebäudes gewinnt durch den Wechsel großzügiger Fensterflächen mit vorstehenden Erkern und in hellen Tönen glasierten Riemchen Transparenz und Leichtigkeit. Hierfür wurde der Röben Glasur-Farbton „Hellgrau“ gewählt und die Fassade durch den Einsatz zweier unterschiedlicher Fugenfarben optisch noch einmal untergliedert.

Die Mauerwerksflächen im dunkleren Innenhof sind mit den glasierten Keramik-Riemchen im sehr frisch und freundlich anmutenden Farbton „Türkis-blau matt“ gestaltet, wobei die hellgrauen Riemchen die horizontalen Linien der darüber liegenden Geschosse aufnehmen. Sie laufen in schmalen Streifen auf der Höhe der oberen und unteren Abschlüsse von Fenstern und Türen rundum und betonen den leichten, aufgelockerten Charakter der Bauweise.

Bei Röben werden die Glasuren doppelt auf den noch ungebrannten Scherben aufgetragen. Die Besonderheit: Es handelt sich um eine Scharffeuer-Glasur, die bei Temperaturen von ca. 1.280°C gebrannt wird. Mit diesem technischen Verfahren kann Röben den sehr guten Sitz der Glasur auf dem Klinker garantieren, da durch die hohe Brandtemperatur der sinternde Ziegel und die schmelzende Glasur eine homogene, unlösliche Verbindung eingehen. Sie werden also nicht nachträglich auf das gebrannte Riemchen – wie etwa eine Lackschicht – aufgetragen.

In Berlin rehabilitierte Schinkel Anfang des 19. Jh. das in Vergessenheit geratene Ziegel-Sichtmauerwerk, in das er als Schmuck erstmals blaue Glasurbänder einfügte wie zum Beispiel am Gebäude der Bauakademie am Stadtschloss. In der Gründerzeit, seit dem Ende des Jahrhunderts, wurden die Vorteile der Glasur vor allem im gewerblichen Hofbereich Berlins genutzt: der Regen wusch den sich absetzenden Schmutz wieder von der meist vollständig mit glasierten Ziegeln vermauerten Fassade und die glatte Oberfläche reflektierte Licht in die ansonsten eher finsteren Höfe. Ein schönes Beispiel für die Weiterentwicklung dieses rein pragmatischen Ansatzes sind die 1906/07 erbauten, mit farbig glasierten Klinkern aufwendig verzierten Hackeschen Höfe in Berlin Mitte.

Apropos Farben: Die Röben-Palette enthält neben „Türkisblau matt“ und „Hellgrau“ weitere 20 Standardglasuren, die absolut frei von giftigen Stoffen sind.

Glänzende Opakglasuren wechseln sich mit matten Oberflächen ab, kräftige Buntfarben mit feinen Pastelltönen. Röben hat ein spezielles Verfahren entwickelt, mit dem sich nahezu jeder gewünschte Farbton erzielen lässt. So sind auch ganz individuelle, objektbezogene Farbgebungen möglich, die nach Wunsch angefertigt werden können.

Die „Hof-Architektur“ hat Tradition in Berlin. Als typische Kulisse für’s „Milljöh“ wird sie heute mit modernen architektonischen Gestaltungsmitteln weitergeführt.