Architekt: Gabór Turányi, Kadakut
Fotos: Janos Szentivani, Pilisszentiván, Ungarn |
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Es ist nicht so bekannt wie Meißner Porzellan oder Rosenthal, aber das Porzellan aus dem ungarischen Herend erntete internationale Anerkennung auf den Weltausstellungen in Paris, London und New York.
Die Geschichte der Manufaktur lässt sich bis in das Jahr 1826 zurückverfolgen und es gibt kaum eine Familie in dem kleinen Ort nahe des Bakonywaldes, in dem nicht mindestens ein Vorfahre ein Leben lang in dieser Manufaktur gearbeitet hätte.
1993 erwarben die Mitarbeiter 75% der Unternehmensanteile. Mit vereinten Kräften machten sie daraus nicht nur ein florierendes Unternehmen. Sie gründeten gleichzeitig eine Gemeinschaftsvertretung zum Schutz ihrer Interessen und einigten sich darauf, aus dem Gewinn und privaten Spenden ein Gemeinde und Touristikzentrum zu errichten. Den ausgeschriebenen Architektur-Wettbewerb gewann Gabór Turányi. Er schuf einen Gebäudekomplex in einer asymetrischen U-Form, der zwar ein industrielles, aber ausgesprochen urbanes Zentrum darstellt. In seiner kosmopolitisch ästhetischen Anmutung ist er für eine Kleinstadt recht ungewöhnlich. Gegenüber dem Haupttor der Manufaktur entstand eine von Arkaden gesäumte Piazza als öffentlicher Raum. Treppen führen von der einen zu der anderen Seite. Es gibt kleinere, separate Räume für Veranstaltungen und Feste.
Insgesamt umfasst das Gebäude drei unterschiedliche Einheiten: einen zweistöckigen Ausstellungsraum, ein Restaurant und – als Besonderheit eine Minimanufaktur, die auch für Besuchervorführungen genutzt wird. Die verschiedenen Bereiche sind architektonisch klar voneinander abgesetzt, um auch große Besucheranstürme verkraften zu können. Die Manufaktur besteht aus außergewöhnlich schönen Räumen, die sich kreisförmig von den Kellern aus in die oberen Stockwerke fortsetzen. Die in die Mauer eingebetteten gläsernen „Ziegelsteine“ tauchen die Treppen auf der Rückseite des Gebäudes in ein zauberhaftes Licht. Turányi wollte der örtlichen Gemeinde ein „Heiligtum“ errichten, für ihn ist allein ihre Existenz ein Grund zum feiern. Das Gebäude hat vage und doch erkennbare Ähnlichkeit mit chinesischen Pagoden und sumerischen Tempelbauten. |
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Öffnungen im Ziegelmauerwerk des Rauchabzuges ziehen den Blick förmlich nach oben. |
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| Drachenähnliche Skulpturen an den Ecken des Turmes unterstützen den pagodenähnlichen Baustil. |
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Zierstreifen aus handgefertigten Backsteinen im Mauerwerk geben dem Gebäude eine persönliche Note. |
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Als geeignetes Material für die Fassade erschienen dem Architekten Ziegelsteine, er wählte den Handform-Verblender KLEIBRAND von Röben, weil das hellrot-buntgeflammte Material in seinen vielfältigen farblichen Abstufungen einem Herbstwald nachempfunden zu sein scheint. Die Mauern wirken, als seien sie ohne Mörtel errichtet und die einzelnen Steine durch magische Kräfte gehalten. Die rauhe, unebene Oberfläche des Handformziegels wird durch die Schieferbedachung, deren Färbung sich mit den Lichtverhältnissen verändert, ideal ergänzt. Gabór Turányi „spielt“ mit den Ziegeln, nutzt die schier unerschöpflichen Gestaltungsmöglichkeiten, die das Material bietet. Er schichtet Ziegelstein auf Ziegelstein und lässt zum Beispiel den Rauchabzug über dem Korridor der Manufaktur förmlich „in den Himmel wachsen“. Am Fuße des Turms sieht der Besucher unwillkürlich hinauf, entdeckt die feine Geometrie der Mauern und die geschickte Anordnung der Ziegelsteine, durch die sich in der Spitze des Rauchabzuges das Licht seinen Weg sucht.
Auch Porzellan besteht letztendlich aus sorgfältig ausgesuchter, gebrannter Erde. Alle für den Baukomplex verwendeten Materialien erinnern daran. Roher, poröser Stein mit unregelmäßiger Färbung, der unverputzte Backstein, die natürlichen Schieferdächer und die große chinesische Treppe aus grobem Schiefer. Dunkle Erdfarben beherrschen das Bild, ohne eine düstere Atmosphäre zu vermitteln. Einheimische Jugendliche haben in einer Werkstatt Backsteine hergestellt, deren Reliefs den funktionalen Bereichen eine besondere Note geben und einen persönlichen Bezug schaffen. An den Ecken des Turmes finden sich Drachenskulpturen, die „all ihr Feuer in die Ziegel gebrannt haben“ und den pagodenähnlichen Stil optisch unterstützen. Nicht zuletzt gilt der Drache im asiatischen Raum als Beschützer und Glücksbringer. Dass solch spannende Architektur in Herend umgesetzt werden konnte, ist selbstredend ein wahrer Glücksfall. Das Konzept und die Bauausführung sind das eindrucksvolle Ergebnis einer außergewöhnlichen Zusammenarbeit zwischen Kunden und Architekten. Hier wurde ein klares Konzept ohne Beeinträchtigung der Funktionalität konsequent umgesetzt.
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