Gelungenes Zusammenspiel: Klinker-Riemchen auf Wärmedämm-Verbundsystem – das Kreiswehrersatzamt in Wittenberg
 
   
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Architekt: Jan-Holger Kahl, Wörlitz
Fotos: Wolfgang Schumann, Berlin
   

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts galt die Lutherstadt Wittenberg als eines der bedeutendsten geistigen und kulturellen Zentren Europas: Neben Martin Luther selbst, der hier 1517 seine berühmten 95 Thesen an die Schlosskirche schlug, war es vor allem der Maler Lucas Cranach d. Ä., der seinerzeit den Ruf der Stadt begründete. 500 Jahre später sind es in erster Linie die zahllosen historischen Gebäude, die von der bewegten Geschichte der inzwischen 50.000 Einwohner zählenden Elbstadt zeugen.

Ein ganz anderer Eindruck bietet sich zwei Kilometer weiter westlich der Innenstadt, wo das Straßenbild durch einen städtebaulichen Mix aus alten und dringend renovierungsbedürftigen Industriebauten und verschiedenen Wohnbauten unterschiedlichen Stils geprägt wird. Auf einem lang gestreckten Grundstück in unmittelbarer Nähe zur Bundesstraße 187 wurde hier im letzten Jahr ein neues Kreiswehrersatzamt errichtet. Der winkelförmig angelegte, dreigeschossige Bau bietet entsprechend seinen unterschiedlichen Funktionen einen zentralen Bereich mit Eingang und vertikaler Erschließung sowie zwei angrenzende Mittelflurtrakte mit Musterungs- und Beratungsräumen im Erdgeschoss und Verwaltungsräumen in den beiden Obergeschossen. Die flach geneigte Walmdachkonstruktion wurde mit einer Titan-Zink-Strangfalzdeckung versehen. Entsprechend den Anforderungen hinsichtlich einer robusten, pflegeleichten und dauerhaft haltbaren Fassadenoberfläche war zunächst geplant, den überwiegend aus Kalksandstein errichteten Bau mit einem hinterlüfteten wärmegedämmten Klinkermauerwerk zu verblenden. „Aufgrund der beabsichtigten Sockelausbildung hätten wir dabei jedoch eine aufwändige Unterkonstruktion aus Ankerschienen errichten müssen, um die gesamte Last der Verblendklinker auffangen zu können“, berichtet Architekt Jan-Holger Kahl. Eine geeignete Alternative ergab sich dann beim Besuch der Baumesse in Leipzig: „Dort wurden wir auf Wärmedämm-Verbundsysteme aufmerksam, die nach außen hin mit einer nur wenige Millimeter starken Oberfläche aus aufgeklebten Klinkerriemchen abschließen. Zur Vermeidung von winterlichem Wärmeverlust bzw. sommerlicher Überhitzung kann dabei wahlweise Styropor oder, wie im Fall des Kreiswehrersatzamtes, Mineralwolle eingesetzt werden.“

 

Nach intensivem Vergleich zwischen Klinkerriemchen verschiedener Hersteller entschied sich der Architekt schließlich, die Fassade des neuen Kreiswehrersatzamtes mit 14 mm starken Klinkerriemchen von Röben auszuführen: „Die Röben-Riemchen erwiesen sich sowohl hinsichtlich der Wasseraufnahme als auch hinsichtlich des Preises als beste Lösung.“ Kaum verwunderlich, denn die von ganzen Steinen geschnittenen Riemchen werden bei ihrer Produktion eben so hart gebrannt wie herkömmliche Keramik-Klinker. Damit schützen sie die Fassade dauerhaft und zuverlässig vor Wind und Wetter. „Ein weiterer Vorteil der Röben-Klinkerriemchen ist die große Farbauswahl“, berichtet Jan-Holger Kahl: Für das Kreiswehrersatzamt in Wittenberg wählte er orange-nuancierte, glatte Riemchen im Normalformat: „Der Farbton verleiht dem Gebäude eine helle und freundliche Ausstrahlung und bildet gleichzeitig einen schönen Kontrast zum Blau des Himmels und dem Grün der Landschaft.“
    
    
Um aufwendige Schneide-Arbeiten an den Riemchen zu vermeiden, wurde der gesamte Fassadenentwurf hinsichtlich Lage und Größe von Fenster- und Türöffnungen auf das oktametrische Ziegelmaß abgestimmt. „Sowohl hier, als auch bei der Ausführung wurden wir optimal von Röben unterstützt, so dass weder bei der Planung, noch auf der Baustelle irgendwelche Probleme auftraten“, berichtet Architekt Jan-Holger Kahl. Eine weitere Erleichterung bedeutete die Verwendung von speziellen Winkel-Riemchen für die Außenecken des Gebäudes und der Einsatz von Fertigbauteilen: „Neben den als Rollschicht vorgesehenen, äußeren Fensterbänken haben wir auch die oberen Abschlüsse der Verblendbereiche als Fertigteile montiert. Die dazu notwendige Detailentwicklung wurde ebenfalls durch den Röben Planungs-Service übernommen und später dann vor Ort mit uns abgestimmt. Der Einsatz der Fertigteile trug nicht nur entscheidend zur Verkürzung der Bauzeit bei, sondern ermöglichte durch die geringeren Lohnkosten gleichzeitig auch eine erhebliche Kostenreduzierung. Und optisch ist die Riemchen-Fassade von einer konventionell gemauerten Fassade nicht zu unterscheiden.“