Kraftvolles Zeichen – Universitätsneubau in Magdeburg
 
   
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Architekten: Peter Kulka, Köln, Dresden
    
Reizvoller Kontrast: Gründerzeit-Architektur und Moderne
   
Gläserne Offenheit und kraftvoller schwarzer Keramik-Klinker

Anders als sonstige private oder öffentliche Bauaufgaben hat sich die Hochschullandschaft in den neuen Bundesländern in den letzten Jahren zu einem regelrechten architektonischen Laboratorium entwickelt. Die gelungensten Beispiele dieser auffälligen Experimentierfreude sind das vom Hamburger Büro Gerkan Marg und Partner geplante Hörsaalgebäude in Chemnitz, die vom Basler Architektenduo Herzog & de Meuron entwickelte neue Bibliothek in Eberswalde, das nach Plänen von Thomas van den Valentyn errichtete Juridicum in Halle sowie die durch Peter Kulka entworfene Fakultät für Wirtschaftswissenschaften in Magdeburg.

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg zählt zu den jüngsten Universitäten Deutschlands. Seit ihrer Gründung im Jahr 1993 wurden hier neun Institute für mittlerweile rund 10000 Studierende eingerichtet. Städtebaulicher und architektonischer Höhepunkt des weitläufigen Areals nördlich der Innenstadt ist der zwischen Pfälzer Straße, Graf-Adolf-Straße und Hohenstauffen-Ring gelegene und inzwischen mit einem Architekturpreis Sachsen-Anhalts ausgezeichnete Neubau der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften. Das durch Peter Kulka entworfene Ensemble besteht aus drei langgestreckten, um einen schmalen Innenhof herum gruppierten Baukörpern, die zur Graf-Adolf-Straße hin die seit dem Krieg bestehende Lücke zwischen zwei Gründerzeit-Häusern vom Ende des 19. Jahrhunderts schließen.

    

Statt angesichts des direkten Aufeinandertreffens zwischen Alt und Neu zum wiederholten Mal die Therapie der Blockrandschließung zu bemühen, setzte Peter Kulka bei seinem Entwurf ganz bewusst auf einen deutlichen Kontrast zu den beiden Gründerzeitbauten und konfrontierte die alten Stuckfassaden mit einem lebhaften Zusammenspiel aus gläserner Offenheit und dunklen, anthrazitfarbenen Klinkerfassaden. Der einzige Bezug zum Bestand ist die einheitliche Höhe der jeweils viergeschossigen Baukörper. Einen zusätzlichen Kontrast schaffen die Rot, Blau bzw. Gelb gestrichenen Stirnseiten der verschiedenen Volumen, die mit ihrer leuchtenden Farbigkeit ganz ausdrücklich eine leuchtend bunte Hommage an das Werk des Bauhaus-Architekten Bruno Tauts darstellen, der als Magdeburger Stadtbaurat zwischen 1921 und 1924 zum ersten Mal Farbe als preiswertes Gestaltungsmittel in den Siedlungsbau eingeführt hatte.

    
     

Durch seine vielbeachteten Entwürfe für den Sächsischen Landtag in Dresden, die Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig sowie die Magdeburger Fakultät für Wirtschaftswissenschaften zählt Peter Kulka seit Jahren zu den renommiertesten Architekten Deutschlands. Vor seiner Bürogründung war Kulka als Mitarbeiter von Hans Scharoun tätig. Inzwischen führt er Büros in Köln und Dresden.

Sich selbst bezeichnet Kulka als „Enkel“ von Mies van der Rohe ein Einfluss, der auch beim Bau der Fakultät in Magdeburg seine deutlichen Spuren hinterlassen hat: Das klar und einfach gestaltete und rhythmisch intelligent gegliederte Zusammenspiel zwischen dem kraftvollen schwarzen Keramik-Klinker und den zum Teil paarweise übereinander gelagerten horizontalen Fensterbändern, in denen sich die Umgebung widerspiegelt, führt sinnfällig den Gedanken einer offenen Universität weiter, wie er Mies van der Rohe beim Bau seines berühmten Illinois Institutes in Chicago (1950–56) vorschwebte. Seine Fortsetzung findet der fließende Übergang zwischen innen und außen in den vollkommen verglasten Fassaden nach Süden und Westen, im offen gestalteten Eingangsbereich und im lichtdurchfluteten Atrium, von dem aus die einzelnen Gebäudeflügel der Fakultät erschlossen werden.

    

Nicht nur beim architektonischen Konzept, auch bei der Auswahl der verwendeten Materialien hat Peter Kulka konsequent auf Qualität gesetzt. Bei der Suche nach einem geeigneten Klinker für die langgestreckten Außenfassaden fiel die Wahl schließlich auf den Röben Keramik-Klinker FARO schwarznuanciert, glatt im Dünn-Format von 240x115x52mm. Durch ihren „sanften Glanz“ unterstützen die im Stapelverband gemauerten dunklen Klinker das lichtbewegte Spiel der Glasflächen und schaffen gleichzeitig einen deutlichen Kontrast zu den leuchtend bunten Stirnseiten vor dem Eingangsbereich. Bei so viel Dynamik verwundert es kaum, dass die Zahl der hier ein und aus gehenden Wirtschaftsstudenten von Semester zu Semester steil angestiegen ist – gelungene Architektur als eindeutiger Standortvorteil im innerdeutschen Wettbewerb um die Gunst der Studierenden!

    
Bei der Auswahl der verwendeten Materialien hat der Architekt konsequent auf Qualität gesetzt: Röben Keramik-Klinker FARO schwarz-nuanciert