Kopf an Kopf – Seniorinnen-Wohnheim in Bad Lippspringe
 
   
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Architekten: Helmut Görgen, Bornheim
Bauleitung: Magnus Wille, Bad Lippspringe
    
Der neue Gebäudeflügel mit Souterrain und Beletage.
  

Als Kurort kann das am Südrand des Teutoburger Waldes gelegene Bad Lippspringe mittlerweile auf eine 170-jährige Tradition zurückblicken. 1832 wurde in der kleinen Gemeinde zwischen Detmold und Paderborn eine Mineralquelle entdeckt, die unweit der hier gelegenen Lippequelle aus dem Boden sprudelte. Schon im folgenden Jahr begann man daraufhin mit dem Kur- und Badebetrieb. Seit dieser Zeit hat sich das inzwischen rund 15 000 Einwohner zählende Bad Lippspringe zu einem der wichtigsten Kurorte für Lungen- und Bronchialheilkunde und Allergologie entwickelt.

Eine der zahlreichen Pflege-Einrichtungen vor Ort ist das 1925 durch den Paderborner Orden der Vincentinerinnen gegründete „Hospital zum Heiligen Geist“ – ein ehemaliges Krankenhaus, das seit den 50er-Jahren ausschließlich als Erholungs- und Altenwohnheim für pensionierte Nonnen genutzt wird. Während der 60erund 70er-Jahre war der hell verklinkerte Ziegelbau durch zwei deutlich nüchterner ausgebildete und lediglich mit Spaltriemchen verblendete Anbauten ergänzt worden. Beide Gebäude präsentierten sich zuletzt als dringend renovierungsbedürftig und wurden jetzt mit einem Sichtmauerwerk aus weißen Keramik-Klinkern verblendet und durch Dachgeschosse erweitert.

Weil gleichzeitig eine neuerliche Erweiterung des Wohnheims notwendig geworden war, entschied sich der Orden dazu, die bislang dreiflügelige Anlage zu einem geschlossenen Block mit begrüntem Innenhof zu ergänzen. Um den neuen Gebäudeflügel möglichst gut in den bestehenden Kontext zu integrieren, konzipierte der beauftragte Architekt Helmut Görgen den Anbau als dreigeschossigen Riegel mit Souterrain und Beletage. Die Außenfassaden wurden wie bei den beiden sanierten Altbauten mit einem Sichtmauerwerk aus weißen Klinkern verblendet. Weitere Bezüge zur Architektursprache des Ursprungsbaus von 1925 sind das mit Schieferschindeln bedeckte Mansarddach, die Balkone zum Innenhof und die Ausbildung eines mittig angeordneten Treppenhausturmes neben dem Hofeingang. In den oberen Geschossen des Neubaus stehen insgesamt 30 neue Appartements zur Verfügung, im großzügig verglasten Erdgeschoss ein großer Speise-, bzw. Veranstaltungssaal, ein Aufenthaltsraum und eine Küche. Bei der Auswahl eines geeigneten Klinkers für die insgesamt rund 4000 m2 großen Fassadenflächen des Ordens entschieden sich Helmut Görgen und Magnus Wille für den Röben Keramik-Klinker FARO elfenbein, glatt. Der aus dem berühmten, weiß brennenden Westerwälder Ton geformte und in einem speziellen Verfahren veredelte Klinker überzeugte die Architekten vor allem durch seine gleichmäßige und langfristig gleich bleibende Farbgebung, durch die das harmonische Zusammenspiel mit den verzinkten Balkonen und den hellgrauen Schieferschindeln auch noch in Jahrzehnten im heutigen Glanz erstrahlen wird.

Dem Ursprungsbau angepasst: Das Sichtmauerwerk aus vorgekerbten Klinkern, also mit Scheinfuge. Optisch nicht vom alten Kopfverband zu unterscheiden.
    

Ein weiterer Grund für die Verwendung dieser Klinker war die kooperative Zusammenarbeit mit dem Röben-Planungsservice: „Der Altbau wurde seinerzeit noch durchgängig im Kopfverband gemauert – eine Technik, die heute aufgrund der viel höheren Lohnkosten nur noch sehr selten zum Einsatz kommt“, wie Helmut Görgen berichtet. Schade eigentlich, denn der heute übliche Läuferverband wirkt gerade bei Altbausanierungen häufig sehr störend. Um dem Neubau in Bad Lippspringe dennoch den historischen Charakter zu verleihen und die Fassadenflächen optisch dem Ursprungsbau anzupassen, entschieden die Architekten in enger Abstimmung mit dem Röben-Planungsservice, das Sichtmauerwerk mit gekerbten Steinen, also mit einer Scheinfuge auszubilden – eine Lösung, die auch schon bei einigen anderen mit Röben Klinkern errichteten Projekten zur Anwendung gelangt ist. „Da der ganze Stein mit Scheinfuge optisch nicht von zwei halben Steinen zu unterscheiden ist, konnten wir den historischen Eindruck wesentlich schneller und kostengünstiger erzielen und dennoch wie gewohnt ganze Läufer mauern.“

Zur Herstellung der Steine wird im Röben-Werk Bannberscheid bei Montabaur die Scheinfuge mit einem schwalbenschwanzförmigen Keil ausgeschnitten, so dass sie in der Tiefe breiter ist als an der Oberfläche des Klinkers. Erst danach werden die Steine dann bei einer Temperatur von 1 000°C bis zur vollständigen Sinterung des keramischen Materials gebrannt. So wird beim abschließenden Verfugen zusätzlich zur chemischen Verbindung des Fugmörtels mit dem Stein eine mechanische Verzahnung erreicht, die verhindert, dass der Mörtel später herausfallen kann. „Ein Aufwand der sich vollauf gelohnt hat – vor allem, wenn man sich die Erweiterung eines zweiten Hospitalgebäudes im nahe gelegenen Borchen ansieht“, wie Helmut Görgen meint. „Anders als in Bad Lippspringe wurden die Fassaden dort im gewöhnlichen Läuferverband gemauert – der Unterschied ist auf den ersten Blick sichtbar!“