Stadtteilreparatur en détail – Loftwohnanlage in Berlin
 
   
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Architekt: Kauschke+Partner, Berlin
    

Wenn in Berlin von Stadtreparatur die Rede ist, dann meint man in aller Regel die Blockrandschließung der hier allgegenwärtigen steinernen gründerzeitlichen „Mietskasernen“. Dass die Lösung zur Schließung städtebaulicher Brachen auch ein Kleinod schaffen kann, zeigt eine durch die Architekten Kauschke + Partner geplante, dunkelrot verklinkerte Wohnanlage im Stadtteil Charlottenburg.

Neben elf unterschiedlich großen, offenen und teilweise loftartig geschnittenen Wohnungen mit eigenen Balkonen vor fast jedem Fenster bietet das siebengeschossige Gebäude eine Gewerbezeile im Erdgeschoss sowie eine eigene Tiefgarage. Erweitert wird das Raumprogramm durch acht luxuriöse Eigentumswohnungen in zwei jeweils viergeschossigen Stadtvillen im üppig mit Bambus begrünten und beinahe kontemplativen Gartenbereich des städtischen Blocks. Der an der Kreuzung Pestalozzistraße/Kaiser-Friedrich-Straße an Stelle eines zweigeschossigen, backsteinernen Industriegebäudes errichtete Neubau überzeugt durch eine ebenso klare wie kraftvolle urbane Klinker-Architektur, deren strenger symmetrischer Charakter einen hochwertigen architektonischen Blickfang innerhalb der heterogenen Umgebung schafft. In Richtung der Pestalozzistraße führt die Wohnanlage die Flucht eines weiß verputzten, fünfgeschossigen Riegels vom Beginn des letzten Jahrhunderts fort und nimmt dabei exakt dessen Höhe von ca. 21 Metern auf.

Seine elegante Erscheinung erhält der Klinkerbau vor allem durch die rhythmische Gliederung der Frontfassade, die für Architekt Hans-Gerhard Kauschke ganz ausdrücklich auch eine Reminiszenz an die Klinkerfassaden des vormals hier stehenden Industriegebäudes mit seinen zahlreichen Verschachtelungen und Rücksprüngen darstellt: Zu den beiden Außenkanten hin wurden auf jeder Ebene zwei nebeneinander liegende Balkonreihen mit abwechselnd drei bzw. zwei geschosshohen Fenstern ausgebildet. Den vertikalen Gegenpol schafft ein mittig platzierter, um 1,5 Meter hervorgeschobener – und somit mit Offen präsentieren sich die beiden Stadtvillen mit ihren großen Fenstern, die vom Erdgeschoss hinauf bis zur ersten Etage reichen den Balkonen abschließender – Erker mit wiederum drei nebeneinander liegenden vertikalen Fenstern mit davor liegenden Brüstungsgittern. Noch offener präsentieren sich die beiden ebenfalls mit Balkonen ausgestatteten Stadtvillen im Gartenbereich, deren Erdgeschoss-Wohnungen jeweils zwei große, über die Höhe von zwei Geschossen reichende Fenster aufweisen.

Planerisch komplizierte Fassadendetails der Stürze, Brüstungen und Pfeilerelemente wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Röben-Planungsservice mit Fertigbauteilen gelöst.

  
Noch mehr Plastizität erzielte Hans-Gerhard Kauschke durch die Ausbildung von leicht zurückversetzten Fensterlaibungen, die die Fassadenflächen weiter untergliedern und so den eleganten, schlanken Charakter des Gebäudes zusätzlich betonen. Besonders eindrucksvolle Perspektiven ergeben sich dabei nachts, wenn die rötlichen Fassadenflächen in das warm gefärbte Licht der selbst entworfenen Fassaden- und Treppenhausleuchten getaucht werden. Zwei weitere überzeugende Details gelangen Hans-Gerhard Kauschke mit den gebündelten quadratischen Regenabläufen und bei der Gestaltung des Treppenhauseinganges im Innenhof, wo der Verblender einen interessanten Kontrast zu den dort verwendeten Glasbausteinen schafft.

Für die Verblendung der 2700 m2 großen Fassadenflächen verwendete Hans-Gerhard Kauschke insgesamt 100000 Stück Röben Keramik-Klinker DITZUM kohle-bunt im Normalformat. Die im wilden Verband gemauerten und durch eine gleichtonige und darüber hinaus 4 mm zurückgesetzte Fugung arrondierten Ziegel vermitteln einen warmen und freundlichen Eindruck und bieten damit ein gelungenes Gegengewicht zu den eher tristen Wohnblöcken in der Umgebung.

„Ich habe den DITZUM kohle-bunt 1994 bei einem Baustoffhändler unter 200 verschiedenen Keramik-Klinkern ausgewählt und mich auf den ersten Blick in ihn verliebt“, berichtet Hans-Gerhard Kauschke, der vor seiner Tätigkeit in Berlin lange im Ausland, unter anderem in New York, San Franzisko und in Japan, gearbeitet hat. „Entscheidend waren dabei nicht nur die guten bauphysikalischen Eigenschaften und die geringe Porosität, sondern vor allem das kühl schimmernde, beinahe sachliche Farbspiel, das für mich auf wunderbare Weise die Vielfältigkeit des universellen Daseins reflektiert.“

Kaum verwunderlich also, dass der Architekt den Röben Keramik-Klinker DITZUM kohle-bunt auch schon bei einigen anderen Gebäuden verwendet hat, unter anderem bei einem Orthopädie-Gebäude und bei einem Schulungscenter im nahe gelegenen Genshagen.

Und auch für ein aktuelles Neubau-Projekt in Dubai steht der DITZUM kohle-bunt auf dem Programm „noch müssen allerdings die arabischen Bauherren von den guten, klimatisierenden Eigenschaften der dort noch als etwas exotisch empfundenen Klinker-Bauweise überzeugt werden…“

Vertikaler Gegenpol zu den nebeneinander liegenden Balkonreihen: Der vorgeschobene Erkerkomplex
    
Offen präsentieren sich die beiden Stadtvillen mit ihren großen Fenstern, die vom Erdgeschoss hinauf bis zur ersten Etage reichen