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Die Ziegeldächer dieser denkmalgeschützten Hofanlage waren nach weit über 100 Jahren (!) sanierungsbedürftig |
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Wenn Josef und Theresia Siemes morgens aus ihrem Schlafzimmerfenster sahen, dann galt ihr erster Blick monatelang dem gegenüberliegenden Dach. Denn hier lagen, fein säuberlich verlegt, unterschiedliche Dachziegel einträchtig nebeneinander. Gefühl und Auge sollten über Form und Farbnuancierung der neuen Tondachziegel entscheiden. Und das brauchte Zeit.
Denn hier ging es nicht um die Neueindeckung irgendeines Gebäudes. Die Hofanlage Renneshof bei Anrath am Niederrhein ist ein Denkmal, seit dem 15. April 1991 mit Brief und Siegel. Schon 1750 wurde sie erstmals erwähnt. Godert Rennes hieß der erste Besitzer, nach dem der Hof auch benannt wurde. Dieser war – ursprünglich in niedersächsischer Bauart errichtet – 1864 innerhalb von zwei Jahren in seiner jetzigen Form, der fränkischen Bauweise, neu gebaut worden. Die neue Anlage wurde mit allen Gebäuden um den alten Hof herum gruppiert, der alte dann abgerissen.
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Um die Sandgruben und Flachslöcher auf dem Gelände aufzufüllen, wurde um den Hof herum ein großer Graben angelegt, der Weg vom Hof zum Wald alleeartig bepflanzt. Beide sind heute noch gut erhalten. Die Besitzer des Renneshofes waren schon früher auf Fortschritt und Großzügigkeit bedacht. In der nachnapoleonischen Zeit bauten sie eine eigene Mühle mit Ölpresse, schon in den 1930er-Jahren gehörte eine eigene, große Hühnerfarm zum Hof.
Die jetzigen Inhaber, die Familie Siemes, wohnt seit 27 Jahren auf dem Hof. Erst als Pächter, seit über drei Jahren als Inhaber. 60 ha groß ist das Gelände, auf dem Getreide, Zuckerrüben und Kartoffeln angebaut werden, die sie zum Teil selbst vermarkten. Nach und nach werden die Gebäude von ihnen liebevoll restauriert.
„Der Renneshof stellt aufgrund seiner Lage, seiner Architektur und seiner Ausführung bzw. seines baulichen Zustandes in Verbindung mit Wallgräben, Zufahrtsallee und den dazugehörigen Baumbeständen ein überaus erhaltens- und schützenswertes Ensemble dar.“ So begründet das Denkmalschutzamt die Eintragung in die Denkmalliste.
Die geschlossene Hofanlage wurde vierflügelig, genau axial in Nord-Südrichtung angelegt. Das Wohnhaus ist 5-achsig, mit zwei überhöhten Vollgeschossen. Als „Krönung“ befindet sich auf dem Dach des Haupthauses in der Mitte des Firstes ein kleiner handgeschmiedeter Glockenstuhl.
Die rechts und links angebauten Nebengebäude sind je 4-achsig und in ihrer Gebäudehöhe etwas niedriger. Die Fassaden der Gebäude sind aus Feldbrandziegeln gemauert. Als Schmuckelement zieht sich eine horizontale Querbänderung über das Erdgeschoß. Außerdem gibt es ein Konsolgesims und Ecklisenierungen.
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| Harmonisches Zusammenspiel: Tondachziegel für die Flächen, Schieferbänder für First, Ortgang und Wandanschluss |
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Die Tür- und Fensteröffnungen sind mit Segmentbögen und Sohlbänken aus Blaustein überdeckt. Schmuckstück des Ensembles ist das Torhaus auf der Nordseite. An der hofäußeren Fassade weist es im Bereich des Korbbogens zwei Widerlager und einen Torkeilstein aus Naturstein auf. Das Dach ist im Ortgangbereich mit einem Giebelkragen aus Kunststein belegt. Im Firstpunkt befindet sich eine kubische Konsole mit aufgesetzter Zierkugel.
Die Satteldächer, am Wohnhaus mit doppelseitigem Doppelwalmdach und die korbbogenüberdeckten Zugangsöffnungen sind noch im ursprünglichen Zustand vorhanden. Alle Dachstühle sind in schwerer Binderausführung gearbeitet. Die Binderschwellen sind als freiliegende Kragarme mit geschweiften Balkenköpfen ausgeführt, die den hofinneren Dachüberstand aufnehmen. Alle Dächer waren mit Tondachziegeln eingedeckt. Beim Austausch dieser Ziegel wollten sich das Besitzer-Ehepaar Siemes und das Denkmalschutzamt möglichst am ursprünglichen Material orientieren, um die Harmonie mit dem alten Mauerwerk zu erhalten. Kein einfaches Unterfangen, deshalb entschloss man sich zur ungewöhnlichen Lösung der „Musterausstellung auf Zeit“. „Vom Auge her“, so Josef Siemes „haben wir uns dann für den Röben Tondachziegel LIMBURG entschieden. Und auch, weil er mit seiner schwarz-matten Glasur dem alten Ziegel am ähnlichsten ist.“ Ganz ist die Dachsanierung des Renneshofes noch nicht abgeschlossen: jetzt soll die große Scheune noch ein neues (Ton-)Dach erhalten.
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