Sensibel integriert – Einkaufszentrum im polnischen Breslau (Wroclaw)
 
   
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Architekten: Jost Hering, Marek Ludian, Peter Thode, ECE Projektmanagement, Hamburg in Zusammenarbeit mit Studio EL Edward Lach, Breslau
   
Die „Galeria Dominikanska“, ein am Rand der Breslauer Altstadt entstandenes Shopping-Center mit Fachgeschäften, Restaurants und Cafés, Büroflächen und einem großen Hotel. In der Architektur ein gelungenes Zusammenspiel zwischen dem traditionellen Baumaterial Ziegel und dem High-Tech-Material Stahl, Glas und Aluminium.
   

Breslau ist neben Krakau, Warschau und Danzig die wichtigste Kulturmetropole Polens. Überall begegnet man hier den Zeugnissen der rund 1000-jährigen Geschichte, während der die heutige Hauptstadt Niederschlesiens wechselweise polnisch und böhmisch, habsburgisch und preußisch regiert wurde. Nach der weitgehenden Zerstörung Breslaus im Zweiten Weltkrieg wurde die Bevölkerung zwischen 1945 und 1949 fast komplett ausgetauscht: Die Deutschen wurden nach Westen umgesiedelt, aus der heutigen Ukraine, überwiegend aus Lemberg, kamen im Gegenzug die neuen polnischen Einwohner. Inzwischen machen der politische Umbruch Osteuropas und der geplante Beitritt Polens zur EU die heute 650 000 Einwohner zählende Stadt an der Oder erneut zu einer der bedeutendsten Brücken zwischen Ost und West. Zu den wichtigsten touristischen Attraktionen zählen dabei nicht nur der pittoreske Rathausplatz mit seinen prachtvoll restaurierten Bürgerhäusern, sondern auch die zahlreichen Bauten vom Beginn des 20. Jahrhunderts – wie die berühmte Jahrhunderthalle von Max Berg oder die beiden komplett erhaltenen Warenhäuser von Hans Poelzig und Erich Mendelsohn. Jüngster Beleg dieser gewachsenen Breslauer „Kaufhauskultur“ ist das am südöstlichen Rand der Altstadt neu eröffnete Einkaufszentrum „Galeria Dominikanska“, das neben einer rund 30000 m2 großen Shopping-Fläche etwa 2000 m2 Büroflächen und ein unabhängig betriebenes 140-Zimmer-Hotel für Orbis-Accor bietet.

   
 
Der auf dem Dominikanerplatz errichtete Neubau wurde durch den Hamburger Projektentwickler ECE in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank und der Immobilien-Aktiengesellschaft IVG entwickelt. ECE ist seit Jahren europäischer Marktführer auf dem Gebiet innerstädtischer Shopping-Center „die ,Galeria Dominikanska‘ ist unser erstes, aber nicht unser letztes Shopping-Center in Polen“, wie ECE-Sprecher Andreas Mattner berichtet. Auf drei offenen, durch Aufzüge und Rolltreppen miteinander verbundenen Ebenen finden die Kunden rund 90 Fachgeschäfte, einen Supermarkt, zwei Textilhäuser, verschiedene Fachmärkte sowie zahlreiche Restaurants und Cafés. Ein großflächig verglastes Dach sorgt dabei für ausreichend Tageslichteinfall und eine angenehme Einkaufsatmosphäre. Der Dominikanerplatz spiegelt durch seine heterogene Umgebung die wechselhafte Geschichte Breslaus wider: Nach Norden hin stößt das neue Einkaufszentrum auf Reste der alten Stadtmauer und auf die gotische Backsteinkirche St. Adalbert, nach Osten auf ein ebenfalls mit roten Klinkern verkleidetes Postgebäude, nach Süden auf ein deutlich sozialistisch geprägtes Versicherungsgebäude und nach Westen auf den Plac Spoleczny, einen der zentralen Verkehrsknotenpunkte Breslaus. Die Außenfassaden der „Dominikanska“ reflektieren diesen verworrenen städtebaulichen Kontext durch ein lebhaftes Zusammenspiel zwischen dem traditionellen Baumaterial Ziegel und der high-tech-orientierten Verwendung von Stahl, Glas und Aluminium-Lamellen.
  

Besonders gelungen zeigt sich die Gestaltung der städtebaulich schwierigen Situation am nordwestlichen Ende des Grundstücks: Als Antwort auf die schlanke gotische Architektur der gegenüberliegenden Back steinkirche entwickelten die Architekten der ECE hier ein vertikales, halbzylinderförmig nach außen stoßendes Volumen, das vor allem durch den Wechsel aus Mauerwerk und großen verspiegelten Glasflächen bestimmt wird, in denen sich die Silhouette des Gotteshauses abzeichnet. Ein ähnlich interessantes Zusammenspiel zwischen beiden Materialien zeigt sich direkt neben diesem „Turm“, wo die großflächige Spiegelglasfront im unteren Bereich der Fassade durch vertikale Streifen aus Klinkern strukturiert wird, die in Richtung der alten Stadtmauer den Eindruck einer langgestreckten Arkade vermitteln und gleichzeitig die mächtigen Strebepfeiler der angrenzenden Kirche zitieren. Den in den Randbereichen der Fassade ausgebildeten Backsteinverband haben die Architekten im Gegenzug durch schachbrettartig angeordnete quadratische Spiegelglasfenster untergliedert.

Bei der Suche nach einem geeigneten Klinker entschied sich ECE für den im nahe gelegenen Röben-Werk in Neumarkt hergestellten gleichnamigen Klinker NEUMARKT herbstlaub „der mit Abstand beste Klinker in Polen, sowohl in der Qualität, als auch in der Farbauswahl“, wie Jan Debski, der Geschäftsführer der ECE Polska berichtet. Sein orangeroter Farbton, in Kombination mit dem in Säulen und Flächen zur Gliederung eingesetzten NEUMARKTKlinker blaurot-geflammt, verleiht dem großflächigen Gebäude eine freundlich warme Ausstrahlung und bildet einen schönen Kontrast zum Blau des Himmels. „Außerdem konnten wir den Bau mit dieser in Schlesien sehr traditionellen Farbe optimal an die umgebende Bebauung anpassen.“ Aber auch sonst hat man sich hier ganz auf die örtlichen Gegebenheiten eingestellt: Das Einkaufszentrum ist an sieben Tage in der Woche geöffnet, sonntags allerdings erst ab 11 Uhr – also nach den Gottesdiensten.