Neben einem modernen Krankenhaus-Zentrum beherbergt die Stadt auch eine renommierte Medizinische Universität, der unter anderem die Freie Medizinische Universität des Katholischen Krankenhaus-Instituts von Lille (GHICL) angegliedert ist. Eine der wichtigsten medizinischen Einrichtungen des GHICL ist das südlich der Innenstadt, im Quartier Moulins gelegene Hospital Saint-Vincent – ein Allgemeines Krankenhaus mit bislang rund 200 Betten, das im letzten Jahr durch einen repräsentativen Neubau ergänzt wurde. Zentrale Planungsvorgabe war dabei die Entwicklung eines offenen und freundlichen Gebäudes, das die bestehenden Räumlichkeiten der Klinik verdoppelt und gleichzeitig das bislang außerhalb der Innenstadt angesiedelte pädiatrische Krankenhaus Saint-Antoine sowie die bisher im Vorort Lomme ansässige Entbindungsklinik Saint-Philibert unter einem gemeinsamen Dach zusammenführt.
Der mit dem Entwurf beauftragte Architekt Luc Windels übersetzte die Vorgaben der Klinikleitung in einen zur Frontseite hin elegant geschwungenen, sechsgeschossigen Riegel, der sich trotz seiner Größe sensibel in den städtebaulichen Kontext des in den letzten Jahren großflächig modernisierten Quartiers einfügt. Als zentrale Erschließung fungiert ein komplett verglastes Eingangsvolumen, mit dem sich das Saint-Vincent Krankenhaus zur südlich gelegenen Rue Desaix und zum neu gestalteten öffentlichen Park hin öffnet.
Seine freundliche und einladende Ausstrahlung erhält der durch horizontale, teilweise spielerisch zusammengesetzte Fensterbänder geöffnete Neubau vor allem durch eine abwechslungsreich gegliederte Fassadengestaltung. Das Zusammenspiel von perlweißen und blau glasierten Röben Keramik-Klinkern sowie orangefarbenen Holz-Paneelen schafft dabei einen lebendigen Komplementär-Kontrast, der durch eine intelligente, rhythmische Gliederung der einzelnen Volumen zusätzliche Spannung erhält. Weitere Blickpunkte sind das leicht geschwungene Edelstahl-Vordach im Bereich des Haupteinganges sowie die deutlich durch die Architektur Le Corbusiers inspirierten, terrassenartigen Balkone, mit denen die Architekten auf spielerische Weise das Vokabular der Klassischen Moderne weitergeführt haben.
Um möglichst viel Freiheit bei der Gestaltung der unterschiedlichen Fassadenabschnitte zu haben, verwendete Luc Windels in enger Absprache mit dem Röben Planungs-Service das Modulformat von 190 x 90 x 90 mm. Bei einer Fugenbreite von 10 mm konnten die Klinker so genau auf 100 bzw. 200 mm vermauert und damit exakt dem durchgehend verwendeten Fassadenraster angepasst werden. In Bereichen, in denen aus statischen Gründen nicht auf Beton verzichtet werden konnte, griff der Architekt außerdem auf Klinker-Riemchen zurück. Bei der Fertigung der Fassade werden die Riemchen einfach auf die Wand geklebt und sind dann nicht von einer konventionell gemauerten Wand zu unterscheiden.
Bei der Grundrissgestaltung im Innenbereich stand vor allem der Aufbau einer funktionierenden Logistik im Vordergrund. Um die zentralen Nutzungsanforderungen integrieren zu können, mussten dabei in enger Absprache mit verschiedenen Arbeitsgruppen zunächst sämtliche Erschließungswege und Verbindungen zwischen den einzelnen Abteilungen definiert werden. „Ohne diesen intensiven Austausch mit dem Bauherrn ist ein solches Projekt nicht realisierbar“, betont die Krankenhausleitung. „Das trifft in der Regel sicher auch für andere Projekte zu, war hier aber noch viel entscheidender, denn ein Krankenhaus ist letztlich ein Werkzeug für Spezialisten, die dort rund um die Uhr arbeiten sollen.“