Gelungene Integration – Universitätsneubau in Tilburg, Niederlande
 
   
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Architekten: Storme van Ranst, Walter van Oerle, Antwerpen
    
Um den repräsentativen Charakter des Neubaus zu betonen, wurden die Außenfassaden mit dem Röben Keramik-Klinker, OSLO perlweiß im Modulformat verblendet.
    

Mit rund 200.000 Einwohnern ist Tilburg eines der wichtigsten Zentren der südlichen Niederlande. Rund zwei Kilometer westlich der Innenstadt, direkt neben einem weitläufigen Stadtpark, befindet sich die 1927 gegründete Universität von Tilburg, die rund 10.000 Studenten in den Fachrichtungen Wirtschaft, Sozialwissenschaften, Philosophie und Kunst unterrichtet und darüber hinaus über eine der besten Jurafakultäten Europas verfügt.

Die ersten Gebäude auf dem seit Beginn der 60er Jahre neu geschaffenen Universitätscampus entstanden auf der Südseite des heutigen Komplexes. Ausgehend von der gelungenen städtebaulichen Planung des renommierten Tilburger Architekten Jos Bedaux zeigt sich hier ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Bebauung und öffentlichen Freiflächen. Weitaus weniger Qualität bietet das Areal in Richtung Norden, wo in den folgenden Jahrzehnen einige temporäre Erweiterungen eher willkürlich in das Gesamtgefüge platziert wurden und auf diese Weise eine deutliche Sichtbarriere zwischen der östlich angrenzenden Wohnbebauung in der Hogeschoollaan und dem westlich gelegenen Park entstand. Um den wachsenden Raumbedarf der Universität zu decken, wurde hier Anfang 2002 ein Neubau fertiggestellt, der neben Vorlesungssälen für die teilweise eigenständige Tias Business-School auch zusätzliche Räumlichkeiten für diverse Forschungsinstitute bietet.

Um das städtebauliche Durcheinander zu ordnen und analog zum Südteil auch im nördlichen Bereich einen städtebaulichen Kern zu schaffen, entwickelten die mit der Planung beauftragten belgischen Architekten Storme van Ranst ein repräsentatives, aus hohen und flachen Volumen zusammengesetztes Gebäude, das sich trotz seines massiven Charakters sensibel in den bestehenden Kontext einfügt und seine Umgebung nicht beherrscht. Im Gegenteil, „die Studenten müssen schon einmal um den Komplex
Der Komplex setzt sich aus hohen und flachen Volumen zusammen, die sich sensibel in den bestehenden Kontext einfügen.

herumlaufen, um das tatsächliche Ausmaß des mit hohen Kiefern umringten Neubaus zu erkennen“, wie Projektarchitekt Walter van Oerle erklärt.

Durch das neu zur Verfügung stehende Raumangebot konnte der überwiegende Teil der temporären Gebäude abgerissen werden. Damit gelang es nicht nur, die städtebauliche Ruhe des ursprünglichen Bebauungsplanes wieder herzustellen, sondern auch die visuelle Beziehung zwischen Stadt und dem Grüngürtel wieder zu öffnen. Der flacher gehaltene Ostflügel des Komplexes passt sich der eher kleinteiligen Wohnbebauung entlang der Hogeschoollaan an. Wesentlich mächtiger präsentiert sich dagegen der achtgeschossige Westflügel, der städtebaulich als Einfassung des durch die Bibliothek A und die Gebäude B und C umrahmten Platzes im Zentrum des Campus’ fungiert.

Durch seine Kompaktheit sowie die Integration mehrerer Erschließungskerne ermöglicht der Neubau eine perfekte Anpassung an die unterschiedlichen Ansprüche der verschiedenen Nutzer. Der zentrale Innenhof bietet zusätzlich Offenheit und Orientierung und klärt gleichzeitig die Tageslichtzufuhr im Inneren des Gebäudes. Außerdem schafft er einen beliebten Rückzugsraum für die Studenten: Umringt von Wänden aus Glas und Backstein, bietet sich ihnen hier eine intime Atmosphäre mit einer Grünfläche, kleinen Hügeln und Bäumen – fast so, als befänden sie sich in einem kontemplativen Klostergarten.

Der Neubau ist zwar ein Bestandteil der Universität – die hier angesiedelten Institute haben jedoch gleichzeitig auch eine kommerzielle Ausrichtung. „Das Gebäude sollte daher nicht innerhalb der Anonymität der anderen Campusgebäude verschwinden, sondern ganz bewusst eine eigenständige Identität aufweisen“, beschreibt Walter van Oerle die Planungsvorgaben der Universitätsleitung.
Schmale, vertikale Lichtöffnungen unterstützen die moderne und selbstbewusste Ausstrahlung des Gebäudes.
Um den repräsentativen Charakter des Neu-baus zu betonen, wurden die Außenfassaden mit dem Röben Keramik-Klinker OSLO perlweiß glatt im Modulformat von 190 x 90 x 90 mm verblendet – ein vor allem in den Niederlanden sehr beliebtes Format, das sich flexibel den unterschiedlichsten Anforderungen anpasst und zudem gut mit den Backsteinfassaden der bestehenden Campus-Gebäude harmoniert. Das Zusammenspiel der strahlend weißen Klinker mit horizontalen Fensterbändern, mattierten Aluminiumrahmen und einigen schmalen vertikalen Lichtöffnungen, die den scheinbar symmetrischen Fassadenaufbau durchbrechen, unterstützt dabei die moderne und selbstbewusste Ausstrahlung des Gebäudes. Die Fenster wurden dabei ganz bewusst leicht zurückliegend platziert. Zusammen mit der Schattenwirkung der weiß gefugten Keramik-Klinker bietet sich so ein fast skulpturaler Eindruck, der den monumentalen Effekt des Ortes zusätzlich betont.