Lebendiges Zeichen – Schulneubau in Waziers, Frankreich
 
   
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Architekt: Edmond Boyeldieu, Lille
    
Gelungenes Gegenstück zum Glastrichter des Hauptgebäudes: Das als kreisrunde Scheibe ausgebildete Vordach über dem Eingangsbereich der Werkstattgebäude.
  

Der in unmittelbarer Nähe zu einem kleinen Stadtpark, auf einem Grundstück zwischen der Rue Tournai und der Rue Paul Langevin gelegene Neubau ersetzt einen an gleicher Stelle stehenden Vorgängerbau, der zwei Jahre zuvor aufgrund erheblicher Sicherheitsmängelabgerissen werden musste.

Durch seinen mittelalterlichen Stadtkern mit dem berühmten Glockenturm des Rathauses ist die rund 40 Kilometer südlich von Lille gelegene Stadt Douai eines der beliebtesten Reiseziele im nordfranzösischen Departement Nord-Pas-de-Calais. Nur wenige Kilometer weiter in Richtung Nordosten, im 8.000 Einwohner zählenden Vorort Waziers, wurde vor kurzem das nach dem 1946 verstorbenen französischen Physiker und Reformpädagogen benannte Lyceum Paul Langevin wiedereröffnet.

Das französische Lyceum entspricht in etwa der Oberstufe eines deutschen Gymnasiums, ist aber im Gegensatz zu diesem grundsätzlich ganztägig ausgerichtet und vermittelt seinen Schülerinnen und Schülern neben einer breiten Allgemeinbildung auch eine individuell wählbare Berufsqualifikation. Beim Lyceum in Waziers liegt der Schwerpunkt dabei vor allem auf den Fachbereichen Elektrotechnik und Mechanik. Die Schule verfügt dazu über eine hochmoderne Ausstattung, die ideale Voraussetzungen für die Ausbildung der Jugendlichen bietet.

Der durch den in Lille ansässigen Architekten Edmond Boyeldieu geplante Neubau setzt sich aus drei eigenständigen, jeweils weiß verklinkerten Volumen zusammen: Das nach Osten hin gelegene, 3-geschossige Hauptgebäude nimmt dabei sämtliche Lehrräume für den Unterricht in den allgemeinbildenden Fächern auf. Darüber hinaus stehen den Schülern hier ein lichtdurchflutetes Restaurant, eine Bibliothek sowie ein Multimedia-Raum zur Verfügung. Die Werkstätten für die Ausbildung in sämtlichen elekrotechnischen und mechanischen Fächern schließen sich in den beiden lediglich eingeschossigen Gebäuden in Richtung Westen an.

Dem Wunsch der Schulleitung nach einem offenen, hellen und freundlichen Gebäude-Ensemble entsprechend, haben die Architekten bei ihrer Planung ganz bewusst auf das lebendige Zusammenspiel zwischen Röben Keramik-Klinkern OSLO perlweiss, glatt und großzügigen Glasflächen sowie auf einen deutlichen Kontrast zwischen streng geometrischen und eher verspielten Formen gesetzt. Die hellen Keramik-Klinker fügen die unterschiedlichen Funktionen der Schule zu einem homogenen Ganzen zusammen und schaffen damit einen nach außen hin einheitlichen und repräsentativen Gesamteindruck.

Das Hauptgebäude des Lyceums „Paul Langevin“ zeigt sich als kompaktes 3-geschossiges Flachdachvolumen mit lang gestreckten horizontalen Fensterbändern sowie teilweise übereck platzierten Öffnungen. Nach Süden hin haben die Architekten eine leicht nach außen geschwungene Glasfront in die Fassade integriert, die Schülern und Lehrern eine offene Aussicht aus der dahinter gelegenen Kantine ermöglicht. Nur wenige Meter weiter fungiert ein aufgeständertes und durch ein Lichtschutzgitter überdecktes trichterförmiges Volumen als zentraler Blickfang des Gebäudes.

Direkt daneben, auf der in Richtung Westen gelegenen Stirnseite, schließt sich der Haupteingang der Schule an. Von hier aus erschließt ein lang gestreckter Flur die im Erdgeschoss gelegenen Unterrichtsräume, die Kantine sowie einen großzügigen Aufenthaltsraum. Über eine breite Treppe direkt neben dem Eingang gelangen Schüler und Lehrer dann in die Unterrichtsräume auf den beiden oberen Ebenen sowie in den im Inneren des Glastrichters gelegenen Multimedia-Raum, in dem ihnen neben einer Bibliothek auch mehrere Computerarbeitsplätze mit Internet-Anschluss zur Verfügung stehen.

Übereck platzierte Wandöffnungen setzen sich in langgestreckten horizontalen Fensterbändern fort.
Westlich vom Hauptgebäude fällt der Blick auf den großzügig verglasten Eingangsbereich der beiden Werkstattgebäude. Die auffällige Gestaltung mit einem als kreisrunde Scheibe ausgebildeten Vordach schafft dabei ein gelungenes Gegenstück zu dem Glastrichter des Hauptgebäudes. Im Inneren der beiden Gebäude bietet sich den Schülern eine Vielzahl von unterschiedlich großen Werkstätten mit hervorragender Arbeitsatmosphäre. Mindestens ebenso viel Zuspruch wie die hohe Ausbildungsqualität findet jedoch das direkt neben der großflächigen Automechanik-Werkstatt gelegene Wohnhaus. Kein Wunder, denn hier können die Jugendlichen während der Freistunden oder nach Schulschluss selbstbestimmt kochen, spielen oder lesen.