Zukunftsweisende „Oldtimer“ – Sozialer Wohnungsbau in Antwerpen
 
   
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Architekten: René Braem (Konzept und Ausführung) Architekturbüro Vanhecke & Suls, Wilrijk (Sanierung)
   
Die zum Teil 12-stöckigen Bauten ruhen auf geschwungenen Betonständern, die sie leicht und licht erscheinen lassen und das Gelände transparent machen.

Der Stadtteil „Kiel“ liegt nicht gerade auf der Sonnenseite von Antwerpen, dennoch findet man im riesigen „Woonkomplexen Zaanstraat“ zwischen Autobahnkreuz und dem Bahnhof „Kielstation“ weder Papier auf den Grünflächen noch Grafitti an den Wänden. Nur Bauarbeiter sorgen für Lärm und Staub. Denn hier wird Haus für Haus, Wand für Wand die Fassade saniert. Und das seit vielen Jahren.

Die Mieter tragen es mit Geduld, denn ihre Sozialwohnungen sind nicht nur sehr preiswert, sondern in ihrer Art auch einmalig. Wo in anderen Großstädten unwirtliche Trabantenstädte schnell und günstig aus dem Boden gestampft wurden, hat man hier Sozialwohnungen geplant, die „vormitstrebend“, zukunftsweisend, sein sollten. Das ist gelungen. Denn auch heute noch, 50 Jahre nach dem Bezug, ist der Wohnkomplex richtungweisend. Er besteht aus 12 Gebäuden, die zwischen 1951 und 1956 realisiert wurden. Zwischen den Häusern großzügige Gras- und Parkflächen. Sogar ein eigenes Heizwerk wurde damals gebaut.

   
Die Appartements wurden zum großen Teil in Maisonette-Bauweise gebaut. Außengalarien verbinden die Wohnungen und lockern die Fassaden auf.     Bei der Fassadensanierung entschied sich der Architekt für Röben Keramik-Klinker FARO cremeweiß im Waalformat.

Betrachtet man die Bauten, kommen automatisch Vergleiche mit dem großen Architekten Le Corbusier. Und tatsächlich war der Architekt des Areals, René Braem, von 1936-37 sein Mitarbeiter in Paris. Le Corbusiers Einfluss auf den 1910 in Antwerpen geborenen Braem ist unverkennbar und vom sozialen Wohnungsbau sind die Häuser in der Gestaltung weit entfernt. Sie wurden bewusst hoch gebaut um den Bewohnern am Boden Raum zu schaffen. Ihnen die „größtmögliche Freiheit zu schenken“ hinsichtlich der Aussicht, der Bewegungsfreiheit und der praktischen Nutzung der Räume, das war das Konzept Braems. Die z.T. zwölfstöckigen Bauten ruhen auf geschwungenen Betonständern, die sie sehr leicht und licht erscheinen lassen und das Gelände transparenter und noch weitläufiger machen. Unter den Häusern können die Bewohner hindurch laufen, direkt unter der Decke befinden sich die Versorgungsleitungen – bewußt sichtbar und farblich unterschieden –, eine ebenso kostengünstige wie wartungsfreundliche Lösung.

Um den Eindruck von Frische zu vermitteln, wurden farbige Flächen als Kontrast zu den weißen Klinkern eingesetzt.
   

Die Appartements, je nach Haus 1 bis 4 Zimmer groß, wurden zum großen Teil in Maisonette-Bauweise ausgeführt.

Außengalerien (Laubengänge) mit den Eingängen machen die Wohnungen fast zu Reihenhäusern und lockern die Fassade auf. Damals eine ungewöhnliche Konstruktion. Die Lage der Häuser wurde konsequent zur Sonne ausgerichtet. Wohn- und Schlafräume liegen in den Maisonette-Wohnungen in einer Richtung übereinander. Sie sind dadurch gleichmäßig belichtet und bekommen auch in den Wintermonaten genügend Sonne.

Die Eingangsbereiche wurden bewusst sehr großzügig gehalten. Sie sind „Ort der Begegnung“, ein kleines Kommunikationszentrum der Mieter vor den Liften, mit großen Grünpflanzen urban gestaltet.

Äußerlich sollten die Materialien der Bauten ein Gefühl der Frische wecken. Die Fassade wurde komplett aus weißen Keramik-Klinkern erstellt, in einer für damalige Verhältnisse sehr fortschrittlichen Weise, mit Ziegel-Fertig-Elementen. Die

Klinker wurden im Stapelverband übereinander vermauert. Viel Wert wurde dabei auch auf die Farbgestaltung gelegt. Zum weißen Ziegel kamen als leuchtende Elemente rote und gelbe sowie blaue und gelbe Lacke bei Türen und Fenstern zum Einsatz. Teile der Fassade wurden farbig gefliest.

Seit einigen Jahren beschäftigt sich nun wieder ein Architekt mit dem riesigen Wohnkomplex. Denn die Fassade ist inzwischen stark sanierungsbedürftig. Es gibt Risse im Mauerwerk und einzelne Ziegel lösen sich. Nach Auskunft des Architekten liegt dies vorwiegend daran, dass damals offensichtlich kein optimaler Mörtel verwendet wurde und die Klinker einfachster Qualität der Witterung nicht standhielten. Seit 1988 wird nun Haus für Haus liebevoll saniert. Sowohl innen, als auch außen. Für Mark Vanhecke vom Architektenbüro Vanhecke & Suls aus Wilrijk bei Antwerpen fast eine „Lebensaufgabe“. Sie erfüllt er mit großem Engagement. Die Geschichte der großen Wohnsiedlungen in Antwerpen erzählt er mit Enthusiasmus.
Um die Konzeption des ursprünglichen Entwurfs zu respektieren, hat man sich bei der Materialauswahl für die Fassadensanierung wieder für Klinker entschieden. Der alten Farbe und Struktur sehr nahe kam dabei der hochwertige Röben Keramik-Klinker FARO creme-weiß im Waalformat 210 x 100 x 52 mm. Sechs Appartementhäuser sind seit 1988 mit den Röben-Klinkern saniert worden. Dabei garantiert das Werk im Westerwald über alle Jahre eine gleich bleibende Farbe. 1,5 Mio. Ziegel waren es bisher, für zwei weitere Häuser wird die Lieferung noch folgen. Allerdings werden heute keine Fertigteile mehr verwendet. Die Fassade wird konventionell gemauert, im Läuferverband, nicht im Stapelverband.

Betrachtet man das Ergebnis, dann kann man kaum glauben, dass dieser Wohnkomplex schon vor über 50 Jahren entstanden ist. Er wirkt nach wie vor „vormitstrebend“, wie eh und je.

Vor 50 Jahren schon einmalig im sozialen Wohnungsbau: Die Großzügigkeit und Gestaltung der Anlage, die Bewegungsfreiheit für die Bewohner und die praktische Nutzung der Räume.