Neubau eines Schulgebäudes Schaumburger Straße, Bremen (D)
 
   
zurück
   
Architekten: Architekturbüro Kapels, Zetel
Fassade: Röben Klinker EIFEL blau-bunt


„Die Schaumburger“ steht groß über dem Eingang. Daneben prangt ein junges und frisches Logo, das Schüler der 6. und 7. Klasse im Projektunterricht erarbeitet haben und das ein ehemaliger Schüler mit seiner jetzigen Werbefirma umgesetzt hat. In der Schaumburger Straße in Bremen vermutet man eher ein Freizeitzentrum als eine Schule, in der sich 500 Schülerinnen und Schüler vom 5. bis zum 10. Schuljahr in der Sekundarschule, Hauptschule, Realschule und im Gymnasium das Rüstzeug fürs Leben holen.

Das Lernniveau ist hoch und neben der Wissensvermittlung bildet das Schulprogramm „Gesundheit und Sport“ einen Schwerpunkt in der raucherfreien Schule. Es beinhaltet z.B. Fachwissen über den eigenen Körper und gesundheitsrelevante Umwelteinflüsse, Ernährungsregeln, Schulgartenarbeit, Drogenprävention, Entspannungstechniken, Selbstverantwortung und vieles mehr. Das Schulgelände bietet Bewegungs- und Sportmöglichkeiten sowie Ruhezone; mittags können die Schülerinnen und Schüler aus 12 Tiefkühl-Menüs ihr Mittagessen wählen.

Der Altbau der Schule entstand 1931. Der dunkelrote Klinkerbau ist in einem sehr gut renovierten Zustand. In den 60er Jahren wurde die Schule um zwei sog. Mobilbauklassen erweitert, die jedoch aufgrund der schlechten Bausubstanz durch einen massiven Neubau auf der vorhandenen Schulerweiterungsfläche ersetzt werden sollten. Angesichts der Schülerzahl- und Klassenverbandsentwicklung sowie möglicher Veränderungen in der Schulstruktur war die Möglichkeit des Anbaus eines 2. Bauabschnittes vorzusehen. Das hierfür benötigte Baufeld wurde bereits in der Grundstückseinteilung berücksichtigt. Durch den Neubau auf der Schulerweiterungsfläche konnte der Schulbetrieb während der Baumaßnahme ungehindert weitergeführt werden.

Einladend:Der großzügig gestaltete Eingangsbereich.
Der Neubau, der vom Architekturbüro Kapels im friesischen Zetel geplant wurde, zeigt eine zweihüftige Anlage, deren Mittelflur auf einer Nord-Süd-Achse längs durch das Gebäude hindurch geht und die insgesamt acht Klassenräume voneinander trennt. An der Kreuzung mit dem ebenfalls durch das Gebäude hindurch laufenden Erschließungsflur entstand eine Aufenthaltsfläche, welche die Klassen von den Nebenräumen abgrenzt. Die Nebenräume und der Erschließungsflur springen auf beiden Seiten der Längsachse um 3m von der Gebäudefront der Klassenräume zurück. So bietet das auskragende Dach, unter dem im Westen die horizontale Erschließung über einen Holzsteg und ein Podest erfolgt, einen Wetterschutz. Als Antipode zur horizontalen Erschließung im Westen ist auf der Ostseite des Flures die vertikale Erschließung untergebracht. Die Klassenräume sind entweder von Osten oder von Westen belichtet.


Das Gebäude wurde in konventioneller Bauweise mit Stahlbetondecken und einer Holzkonstruktion im Dachbereich, Verblendmauerwerksund Vorhangfassade errichtet. Um den Charakter einer einladenden, freundlichen Aufenthaltsstätte zu betonen, wurden in den
Außenfassaden der Röben Klinker EIFEL im Format NF verarbeitet. Aufgrund der schmalen Pfeiler wurden die Fenster mit Röben-Fertigteilstürzen überdeckt. Der blau-bunte Klinker nimmt das Farbspiel der alten Gebäudeteile wieder auf.
Harmonie-Wettbewerb: Die klare Architektur des Baukörpers und das freundliche Farbspiel des Röben Klinkers EIFEL unterstützt durch den warmen Holzton der Fensterrahmen.

Dem sommerlichen Wärmeschutz kommen die massiven Speichermassen zu gute, die sich aus den STBDecken und dem zweischaligen Mauerwerk ergeben, das zusätzlich noch eine Dämmschicht erhielt. Bei den verglasten Flächen der Klassenräume handelt es sich um Holzfensterkonstruktionen, in sämtlichen Erschließungsbereichen sind Pfosten-Riegel-Konstruktionen in Holz-Aluminium verwendet, deren Elemente die horizontale Gliederung der Fassade aufnehmen. Die Verglasung ist in Brüstungshöhe gegen Anprall geschützt und reicht bis an den oberen Dachanschluss.

Überdacht wird das Gebäude über zwei einander zugeneigte Pultdächer, die als Pfettendach ausgeführt wurden. Der Zwischenbereich, unter dem der längs verlaufende Flur liegt, trennt durch einen Höhenversatz die beiden Dachflächen voneinander. Die Bereiche, in denen die Flurflächen an die Außenwand stoßen, sind verglast; so ist die Gebäudekubatur klar ablesbar. Das Pultdach hebt sich mit einem Staffelgeschoss vom tragenden Verblendmauerwerk ab, so als ob es schweben würde. Die schmalen Dachkanten tragen dazu bei.

Gegensatz: Lebendiges Klinkermauerwerk vor Betonkulisse.
Um die Anforderungen an behindertengerechtes Bauen zu erfüllen, sind die Räume im Erdgeschoss stufenlos zugänglich und mit einem behindertengerechten WC ausgestattet. Die warme, harmonische Ausstrahlung des Gesamtgebäudes wird durch die Außenraumgestaltung unterstrichen. Die vorhandene Baumallee wurde weitergeführt und fasst das Gebäude dadurch ein. Durch die Platzierung auf dem Schulgelände sowie durch die Eigenständigkeit wird das Schulgebäude auch außerhalb der Schulzeiten für Veranstaltungen und Kurse genutzt.