„Detroit“ - ein Wohnblock in Amsterdam (NL)
 
   
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Architekten: awg architecten, Antwerpen, bOb van Reeth
Fassade: Röben Klinker STRALSUND schwarz, Sonderfarbe



Die 1992 begonnene Umnutzung der ehemaligen Amsterdamer Osthäfen ist eines der größten und spektakulärsten städtebaulichen Projekte Europas. Eigentlich hätten die gegen Ende der siebziger Jahre zum Brachland gewordenen alten Hafenbecken zugeschüttet und mit einer homogenen Blockbebauung zugepflastert werden sollen. Quasi in letzter Minute entschied sich die Stadt jedoch dazu, die ehemaligen Molen „Java“, „KNSM-Eiland“, „Borneo“ und „Sporenburg“ als atmosphärische Kulisse für ein hoch verdichtetes Wohnquartier mit insgesamt 6.000 Wohnungen zu nutzen.

Ein zehngeschossiger Bau, dessen kleinere und größere Volumina sich stufenförmig nach oben verjüngen.


Auffälliger Blickpunkt im alten Amsterdamer Hafenbereich: Das Projekt „Detroit“ im Bauvorhaben „Nieuw Amerika“.
Nachdem die Bebauung der vier Halbinseln inzwischen weitgehend abgeschlossen ist, konzentrieren sich die Anstrengungen gegenwärtig auf die Entwicklung der am Südufer des Flusses „Ij“ gelegenen Haupterschließungsachse „Oostelijke Handelskade“, die das ehemalige Hafengebiet direkt mit dem Hauptbahnhof und der Innenstadt verbindet. Zu den interessantesten Planungen gehört dabei das direkt gegenüber der Mole Java durch den Projektentwickler OCNA realisierte Bauvorhaben "Nieuw Amerika", das drei mächtige Appartementkomplexe mit insgesamt 305 Wohnungen sowie 7.000 m2 Bürofläche umfasst: Das östlichste der drei Gebäude, der vom deutschen Architekten Christian Rapp entworfene Block „Chicago“, nimmt in seiner Kubatur den im 19. Jahrhundert mit dunkelrotem Backstein errichteten ehemaligen Hafenspeicher „Wilhelmina“ auf, der durch das Rotterdamer Büro DKV entwickelte zentrale Komplex „Boston“ integriert das einstige Packhaus „Australië“. Direkt daneben fällt der Blick auf das durch die Antwerpener awg architecten geplante Projekt „Detroit“, das mit seiner markanten Ziegelarchitektur einen auffälligen Blickpunkt in Richtung Westen bietet.

Die awg architecten gehören zu den international renommiertesten Planungsbüros Belgiens. Ihr Gründer, bOb van Reeth, wurde 1999 aufgrund seiner langjährigen Erfahrung durch die Regierung in Brüssel zum „Vlaams Bouwmeester“ ernannt und war in dieser Funktion sechs Jahre lang unter anderem für die städtebauliche Qualität öffentlicher Gebäude in Flandern verantwortlich. Ähnlich hohe Anforderungen
stellte auch das Amsterdamer Projekt Detroit, denn hier galt es, den Neubau durch eine ausgewogene Staffelung der Gebäudemassen möglichst gut in die neu entstehende Gebäude- Silhouette entlang des Ij-Ufers zu integrieren. Als Antwort auf diese interessante Vorgabe entwickelten die awg architecten einen aus unterschiedlich geformten kleineren und größeren Volumina zusammen gesetzten zehngeschossigen Bau, der sich zur südlich angrenzenden Stadt in drei Abschnitten stufenförmig nach oben hin verjüngt. Zusätzliche Spannung erhält die mit schwarzem Ziegelmauerwerk verblendete Gebäudemasse durch verschiedene Rücksprünge innerhalb der Fassade sowie durch den trapezförmig zum Wasser zulaufenden Grundriss des doppelgeschossigen Sockels. Damit ermöglicht der Neubau eine optimale Besonnung sowie eine maximale Aus- und Durchsicht auf die Innenstadt von Amsterdam und das ehemalige Hafenbecken.


Hauchdünne Fugen und silbrig schimmernde Flächenanteile auf den Klinkern veredeln die Fassaden. Die Steine sind nicht einfach nur schwarz, sondern sie variieren in tausend Nuancierungen.

Sämtliche Fassaden wurden mit dem Röben Klinker STRALSUND schwarz verblendet. Um den geschlossenen monolithischen Charakter des Gebäudes zu verstärken und den Bau so möglichst gut in den reizvollen städtebaulichen Kontext zu integrieren, wählten die awg architecten in enger Zusammenarbeit mit dem Röben Planungs- Service das extrem große Euromodul- Format von 290 x 90 x 190 mm, das sich hervorragend in das strenge Fassadenraster des Neubaus einfügt. Außerdem entschieden sich die Architekten, die Verblender nicht zu vermauern, sondern zu kleben, um so den Fugenanteil innerhalb der Fassade zu reduzieren. Als Basis dieser Technik dient ein feinkörniger Zementleim, der sich beim Kleben intensiv mit dem Klinker verbindet und dem Mauerwerk dabei eine maximale statische Festigkeit gibt.

Das Raumprogramm von Detroit umfasst eine gemeinsame Tiefgarage mit 430 Stellplätzen, flexibel nutzbare Büroflächen in den beiden Sockelgeschossen sowie insgesamt 82 Mietwohnungen. Sie werden sämtlich über ein nach oben durch ein zentrales, komplett verglastes Atrium erschlossen. Eine Besonderheit bei der Gestaltung der Appartements war die Anwendung des so genannten „Casco-Prinzips“, nach dem sämtliche Wohnungen standardmäßig mit einem erhöhten Boden zur Integration von Kabelleitungen und anderen Anschlüssen ausgestattet wurden. Auf diese Weise können sie durch die Mieter vollständig frei eingeteilt werden - eine Innovation, die die niederländische Regierung inzwischen veranlasst hat, dem Neubau insgesamt den Status eines nationalen „Vorbildprojektes“ zu verleihen.