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Bern (CH): Wohnbebauung Brunnmatt-Ost

Die Architekten Esch.Sintzel aus Zürich sind mit dem renommierten schweizer Architekturpreis "Hase in Gold" für die Wohnüberbauung Brunnmatt-Ost in Bern ausgezeichnet worden. Für das Objekt wurde ein von ihnen selbst gemeinsam mit Röben entwickelter Klinker verwendet, der inzwischen als MILANO in das Röben-Programm übernommen wurde.

 

Symbiose von Kreativität und Technik

Ein eigener Newsletter und eine Website, die den Baufortschritt vom ersten Spatenstich begleiten, eine Nachbarin, die nicht nur Fotos von der Baustelle macht, sondern sie auch aus den unterschiedlichen Perspektiven malt und die Ergebnisse ausstellt. Ganze Schulklassen, die mit bunten Helmen durch den Rohbau klettern – die Wohnüberbauung „Brunnmatt-Ost“ in Bern, begonnen Ende 2010, war schon voller Leben, bevor der erste Mieter eingezogen war.

 

Nachhaltige Bauweise, geringe Energiekosten

Nachhaltige Bauweise der Mietwohnungen, geringe Energiekosten und ein effizienter Unterhalt standen weiter auf der Agenda. Abgeschirmt werden sollte weiter die Lärm-Emission einer stark befahrenen Straße unmittelbar an einer Achse des Grundstückes.

 

Als eines der herausragenden gestalterischen Elemente wünschten sich die Architekten eine Klinkerfassade. 2010, auf der Swissbau, haben sich die Wege von Röben und den Architekten esch.sintzel erstmals gekreuzt. Damals stand ein Mitarbeiter des Büros vor einem Plakat des Röben Planungsservice, das eine Klinkerfassade zu einem bezahlbaren Preis versprach. Für die Schweiz ist dies keineswegs selbstverständlich, denn hier sind Bauten mit einer Klinkerfassade nach wie vor eine Seltenheit und das Wissen über deren Wirtschaftlichkeit eher gering. Weiter versprach das Plakat Bausicherheit und eine Baubetreuung.

 

Man kam ins Gespräch und es zeigte sich schnell, dass Philipp Esch und Stephan Sintzel ganz bestimmte Vorstellungen von der Fassadengestaltung hatten. Der Klinker sollte in seiner Farbigkeit der gebauten Umgebung entsprechen, sandfarben sein und unbehandelt, und so, wie er aus dem Ofen kommt, vermauert werden.

 

esch.sintzel Architekten:

Interview "Die Spuren der Fertigung"

Das Video

 

Diskussion und Test im Röben Versuchslabor

Die Architekten wurden in das Röben Klinkerwerk in Bannberscheid eingeladen. Hier wurden mit den Keramikingenieuren die Möglichkeiten, die der Produktionsprozess bietet, aber auch vereitelt, im Versuchslabor diskutiert und getestet. Esch führte genau Protokoll über das, was machbar ist und darüber, wo die natürlichen Grenzen des Rohstoffes liegen.

 

Nach den ganz konkreten Vorstellungen der Architekten wurde dann eine Rezeptur für die Tonmischung entwickelt und erste Muster gebrannt. Das beste Resultat wurde  auf der Baustelle in Bern in einer großen Musterwand aufgemauert und mit dem Bauherrn diskutiert. Das Ergebnis wurde sehr gut aufgenommen und so war ein neuer Klinker entstanden - der „Brunnmatt“. Er ist eine ideale Symbiose aus Kreativität und dem Ausschöpfen der Möglichkeiten, die Technik und Natur bieten und damit ein typisches Resultat von Röben Brick-Design, bei dem Planende und Techniker gemeinsam das Wunschprodukt entwickeln.

 

Beim „Brunnmatt“ wird speziell auf das harte, spröde Material eingegangen, in dem z. B. der Architekt ganz bewusst Abplatzungen an den Kanten akzeptiert und diese Rauheit im Mauerwerk noch durch eine rustikal abgezogene und nicht verdichtete Mörtelfuge unterstreicht. Die gewählte Farbe integriert das Objekt in die von Sandfarben geprägte Bebauung der Umgebung und vermittelt beinahe den Eindruck, als hätte es schon immer hier gestanden.

 

Fassadenkonzept spart Baukosten

Die Wirtschaftlichkeit der Fassade konnte Röben über das Konzept einer Kombination aus aufgelegten Fertigteilen und speziellen Befestigungen des konventionell erstellten Mauerwerkes erzielen. Sie ermöglichten das kostengünstige Errichten der Fassade ohne teure Abfangungen vom Fundament bis zur Attika. Es musste dabei sichergestellt werden, dass die thermische Ausdehnung auf bis zu 18m Höhe in den Befestigungen aufgenommen werden können und Zwangspunkte in der Fassade vermieden werden.

Für die Realisierung wurde eine großen Zahl von Fertigbauteilen in unterschiedlichen Funktionalitäten entwickelt: Vor allem Brüstungs- und Attikaelemente sowie die große Zahl vorgefertigter Stürze und diverse Mauerwerksabdeckungen haben den Baufortschritt erheblich beschleunigt und die Kosten gesenkt.

 

Sonne, Ruhe, Abstand

Aber nicht nur die Fassade ist ungewöhnlich, sondern auch das Wohnkonzept. Sonne, Ruhe, Abstand: Diese Kernanliegen bestimmen das besondere Gefüge der Wohneinheiten im Wechsel von Duplex- und Etagentypen. Die Wohnungen winden sich um das Treppenhaus und durchmessen die Tiefe des Baukörpers. Der Name „Fünf Freunde“ ist dabei nicht nur ein netter Begriff, sondern Programm. Um die Lärm-Emissionen der Umgebung abzuschirmen, ohne dass die Wohnungen sich von der Sonnenseite abwenden, strecken sich die Wohneinheiten wie Pflanzenkeime Richtung Mittagslicht oder orientieren sich als Parkwohnungen zur Morgen- und Abendsonne. Damit möglichst viele Einheiten vom ruhigen, grünen Parkraum profitieren, wirft die Hoffassade fünf „Falten“, während die Fassade zur Strasse hin straff gespannt ist. In jeder dieser „Falten“ haben vier Wohnungen je Stockwerk Platz. Diese gebündelte Erschließung gewährleistet weite Abstände und vermittelt jedem Bewohner das Gefühl, am Park zu wohnen.

 

Hohe Ansprüche erfüllt

Inzwischen sind die meisten der 95 Wohnungen bezogen, in der Gewerbefläche soll demnächst ein Café eröffnen. „Fünf Freunde“ haben die Zürcher Architekten esch.sintzel, die sich in einem Architekturwettbewerb gegen 10 Bewerber durchgesetzt haben, ihr Neubauprojekt genannt. Entstanden ist ein architektonisch anspruchsvoller Bau, der alle Forderungen von Bauherr und Kommune erfüllt. Hoch waren die Ansprüche an das Bauvorhaben: Es sollte das Quartier aufwerten, dessen Wandel erst gerade eingesetzt hat, es sollte Begegnungen fördern und die Durchmischung verschiedener Formen des Wohnens und Zusammenlebens, und all dies bei großer baulicher Dichte.

 

Planung: esch.sintzel Architekten, Zürich (CH)

Fotos: Patrick Weber, Konstanz



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