• 17 Utrecht

Utrecht (NL): Streng verspielt

Zu den architektonisch interessantesten Projekten im derzeit größten Neubaugebiet der Niederlande im Westen von Utrecht gehört das Projekt "Rijnse Maan". Die drei- bis viergeschossig ausgebildeten Zeilen stellen insgesamt 65 Sozialwohnungen für junge Familien zur Verfügung.

 

Der Stadtteil "Leidsche Rijn" im Westen von Utrecht ist das derzeit größte Neubaugebiet der Niederlande. Mitten auf der Grünen Wiese, zwischen alten Bauernhöfen und weitläufigen Obstwiesen, sind hier seit 2001 rund 10.000 Wohnungen für rund 25.000 Bewohner neu entstanden. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung im Jahr 2025 soll das neue Viertel dann laut Planung rund 30.000 neue Wohnungen für insgesamt 80.000 (!) Bewohner bereitstellen. Im Zentrum von Leidsche Rijn wird gegenwärtig das Teilquartier "Het Zand" entwickelt. Rund um den neu angelegten Park "Groot Zandveld" und angrenzend an den naturnah belassenen Rijnpark im Westen sollen hier bis 2011 insgesamt 4.200 Appartements für 12.000 Bewohner fertiggestellt sein, die meisten davon als Eigentumswohnungen. 

Um eine möglichst abwechslungsreiche Stadtlandschaft zu schaffen, wird Het Zand in verschiedene Zonen mit jeweils unterschiedlicher Bebauung untergliedert. Im Nordwesten des Areals, direkt an der Bahnlinie Utrecht- Rotterdam, entsteht dabei die "Künstlersiedlung", deren dicht bebaute Straßen durchgehend nach europäischen Künstlern der Moderne benannt worden sind: von Wassily Kandinsky und Salvador Dali über Joan Miró bis hin zu M. C. Escher. Die meisten der hier gelegenen Neubauten wurden als dreigeschossige Reihenhauszeilen errichtet, denen an verschiedenen markanten Punkten große Solitäre hinzugefügt wurden, um den strengen Reihenhausteppich städtebaulich aufzulockern. Zu den architektonisch interessantesten Projekten gehört dabei das Projekt "Rijnse Maan" mit sieben Reihenhauszeilen entlang der Kandinskystraat und der Marc- Chagall-Straat. Die drei- bis viergeschossig ausgebildeten, durch das Utrechter Wohnungsbauunternehmen Bo-Ex entwickelten Zeilen stellen insgesamt 65 Sozialwohnungen für junge Familien zur Verfügung. In einem Teil der viergeschossigen Bebauung entstanden zudem betreute Wohneinheiten für geistig behinderte Menschen.

Die Architekten Kees Christiaanse Architects & Planners
Um trotz des Zwangs zum kostengünstigen Bauen eine hohe architektonische Qualität zu ermöglichen, hatte Bo-Ex das international renommierte Büro KCAP Kees Christiaanse Architects & Planners mit Sitz in Rotterdam und Zürich mit der Planung des Projektes beauftragt. Die Architekten haben in den letzten Jahren zahlreiche große Projekte im In- und Ausland realisiert, darunter die Science-City in Zürich oder den Holzhafen in Hamburg; in Zusammenarbeit mit dem in Köln ansässigen Schwesterbüro ASTOC zeichnet KCAP zudem für die Masterplanung der Hamburger Hafencity verantwortlich, dem europaweit zweitgrößten Stadterneuerungsprojekt.

Um die Reihenhauszeilen harmonisch in die umgebende Bebauung einzufügen, entschied sich das Team um die Büropartnerin Irma van Oort ganz bewusst für eine betont  zurückhaltende Gestaltung mit wenigen ausgesuchten architektonischen Details. Achsmaß und Grundrisse der Wohnungen basieren zum großen Teil auf einem standardisierten Wohnungsbausystem, sämtliche Fassaden wurden durchgehend mit einem vorgesetzten Sichtmauerwerk gestaltet. Für eine gute Beziehung zwischen Straße und Wohnung verfügen die Häuser je nach Straßenprofil über drei unterschiedliche Vorgärten oder halbprivate Flächen mit kleinen Bänken und Grünflächen.

Florales Muster in bräunlichen Farbton
Um eine offene und moderne Fassadengliederung zu erhalten, wurden die relativ kleinen Fensterflächen durch opake, mit einem zweifarbigen Siebdruck gestaltete Glasflächen optisch vergrößert. "Gemeinsam mit dem Bauherrn haben wir uns dabei für ein florales Muster in einem bräunlichen Farbton entschieden, das ein Blatt im Morgentau zeigt", berichtet Irma van Oort. Im Zusammenspiel mit den dunkelroten Mauerwerksflächen entstand ein bewegtes Farbspiel mit dynamischen Ansichten.  Die bedruckten Glasflächen erzeugen dabei durch ihren Schattenwurf auf die mit Abstand dahinter liegenden farbigen Folien eine gewisse Tiefenwirkung. Auf der Gartenseite wird das strenge Fassadenraster durch zurück liegende Backsteinfelder betont.

Bei der Suche nach einem geeigneten Stein zur Verblendung der Außenfassaden entschieden sich die Architekten für den Röben Handstrich- Verblender WIESMOOR kohle-bunt im 210 x 100 x 50 mm großen Waalformat. "Der Stein hat uns vor allem durch seine individuelle Ausstrahlung und seine dunkle, leicht bunte Farbigkeit überzeugt", begründet Irma van Oort die Auswahl. Mit ihrem charaktervollen Erscheinungsbild fügen sich die im Läuferverband gemauerten und auf der Baustelle dunkel verfugten Ziegel hervorragend in die umgebende Klinkerarchitektur in der Künstlersiedlung ein. Kein Wunder also, dass er dort künftig noch häufiger zu sehen sein wird: "Denn den gleichen Stein werden wir auch für einen der achtgeschossigen Appartementbauten verwenden, die wir direkt nebenan errichten", so die Architektin. 

Architekten Kees Christiaanse Architects & Planners (KCAP), Rotterdam

Fotos: Cornelia Suhan, Dortmund


Handstrichverblender WIESMOOR kohle-bunt, NF

WIESMOOR

kohle-bunt