Klinker
Klinkerriemchen
OSLO perlweiß, glatt
OSLO
perlweiß, glatt

Die Stadt neu gedacht – »La Maillerie« in Lille

Foto © Röben/Frédéric Miette

Auf dem Gelände des ehemaligen Versandzentrums der Firma »3 Suisses« am Rande der französischen Industriestadt Lille entsteht mit »La Maillerie« ein modernes Stadtquartier, das urbane Dichte mit hoher Lebensqualität verbindet. Zu den interessantesten Projekten am Standort zählt das strahlend weiß verklinkerte, nach Plänen von Coldefy & Associés Architectes Urbanistes umgesetzte Bürogebäude am südöstlichen Rand des Quartiers.

Die 240.000 Einwohner zählende Großstadt Lille im Norden Frankreichs an der Grenze zu Belgien war lange Zeit ein bedeutendes Zentrum der Textilindustrie. Heute präsentiert sich die flämische Metropole vor allem als lebendige Studentenstadt mit reichhaltiger Geschichte. Im Nordosten von Lille entsteht auf dem 10 Hektar großen Gelände des ehemaligen Versandzentrums der Firma „3 Suisses“ gegenwärtig das großflächige urbane Wohnquartier „La Maillerie“. Das zwischen den beiden Vorstädten Croix und Villeneuve d’Ascq gelegene, nach einem Masterplan von ANMA / Nicolas Michelin & Associés entwickelte Projekt umfasst 700 Wohneinheiten, 16.000 Quadratmeter Büroflächen, ein Hotel, betreutes Wohnen, einen öffentlichen Schulkomplex, eine Kita, rund 8.000 Quadratmeter Nahversorgung sowie großzügige Grün- und Wasserflächen.

 

Das Quartier „La Maillerie“ steht exemplarisch für die Verbindung von sozialer Mischung, nachhaltiger Ressourcennutzung und stadtklimatischer Qualität. Statt vollständigem Abriss wurde ein Großteil der vorhandenen Bausubstanz erhalten, umgebaut oder rückgebaut und in den Neubau integriert. Im Zentrum des Quartiers steht dabei das früher als Paketzentrum genutzte „Compact“-Gebäude, das zu einem hybriden Stadtzentrum mit Feinkostmarkt, Restaurant, Dachbar und Gemeinschaftsgärten umgenutzt wurde. Parallel dazu weisen auch zahlreiche der Neubauten Merkmale traditioneller Lagerhäuser auf und damit einen Bezug zur industriellen Vergangenheit des Standorts. Komplettiert wird der hohe Anspruch der Verantwortlichen durch die Renaturierung eines Gewässernetzes als grünes Rückgrat und als attraktiver Freiraum sowie durch die Anbindung des Quartiers an das kommunale Wärmenetz mit einem Anteil von 68 % regenerativer Energie. Durch die Nutzung von 40.000 Tonnen angefallenen Abbruchbetons setzt das Projekt gleichzeitig Maßstäbe für eine integrierte Kreislaufwirtschaft im Städtebau.

 

Kraftvolle Klinkerarchitektur

Die architektonische Umsetzung der verschiedenen Bauten vor Ort erfolgte durch unterschiedliche Büros. Als verbindendes Element kam ausgehend von den städtebaulichen Vorgaben vielfach Klinker in verschiedenen Farben und Oberflächen zum Einsatz. Einen markanten Akzent setzt diesbezüglich das fünfgeschossige, nach Plänen von Coldefy & Associés Architectes Urbanistes mit weißem Röben Keramikklinker ausgeführte Neubau-Ensemble „Le Tweed“. Der Name des am südöstlichen Rand des Quartiers liegenden Objektes verweist dabei auf die textile Vergangenheit des Geländes.

 

Das Projekt setzt sich zusammen aus einem großformatigen Bürogebäude entlang der Rue Jean Jaurès sowie einer sich rückseitig anschließenden Wohnbebauung mit insgesamt 130 Apartments. Um den fünfgeschossigen Baukörper zur Straße optimal in den Kontext zu integrieren, haben die Planer das Volumen oberhalb eines gemeinsamen Sockels in drei Segmente untergliedert. Die einzelnen Abschnitte besitzen straßenseitig jeweils eine schräg absteigende Dachlinie, zudem verlaufen die Fluchtlinien nicht parallel, sondern leicht schräg zur Straße, um dann beim nächsten Abschnitt wieder deutlich nach vorne zu springen. So entsteht der Eindruck, dass es sich um drei separate giebel­ständige Stadthäuser handelt. Die oberen vier Ebenen sind als Lochfassade mit vertikalen Fenstern ausgebildet, das Erdgeschoss ist als Mezzaningeschoss mit Ladeneinheiten ausgeführt. Eine Besonderheit ist die in die Kubatur integrierte Außenterrasse nach Süden oberhalb des dritten Obergeschosses.

 

Der Sockel des Büroneubaus ist mit Betonfertigteilen umgesetzt. Die Fassade darüber wurde in enger Abstimmung mit ANMA / Nicolas Michelin & Associés mit 14 Millimeter starken Röben Keramik-Klinkerriemchen OSLO perlweiß ausgeführt. Die im 240 x 52 Millimeter großen Dünnformat gelieferten, im Läuferverband verarbeiteten und hell verfugten Steine betonen den freundlichen Charakter der Architektur und harmonieren außerdem mit den ebenfalls überwiegend weiß ausgeführten Gebäuden in der Nachbarschaft. Hinzu kommt, dass die Steine extrem hart gebrannt und daher langlebig und wartungsfrei sind.

 

Coldefy & Associés Architectes Urbanistes

LILLE (F)

coldefy.fr