Kontextbewusst und zukunftsorientiert – Schulcampus in Hamm-Herringen
Foto © Röben/Lars GruberDer neue Campus der Arnold-Freymuth-Schule in Hamm ermöglicht einen pädagogischen Aufbruch im ehemaligen Industriequartier. Der Entwurf von Schmidt Plöcker Architekten aus Frankfurt verbindet offene, moderne Klinkerarchitektur mit dem denkmalgeschützten Bau von 1912 zu einem harmonischen Ensemble.
In Hamm-Herringen treffen Geschichte und Aufbruch aufeinander: Mehr als 80 Jahre lang prägten der Bergbau und die 1901 eingeweihte Zeche „Heinrich Robert“ das Alltagsleben, die Siedlungsstrukturen und das Selbstverständnis des Stadtteils. Heute hat sich der Bezirk mit seinen rund 14.000 Einwohnerinnen und Einwohnern zu einem bedeutenden Wohnstandort entwickelt – geprägt von ehemaligen Zechensiedlungen, offenen Freiräumen und der Anbindung an die Haldenlandschaft. Mit der neuen Arnold-Freymuth-Gesamtschule hat der Stadtteil jetzt einen modernen Lernort für rund 1.000 Schülerinnen und Schüler erhalten, der den Weg zur Allgemeinen Hochschulreife ebnet. Der Neubau verbindet zeitgenössische Architektur mit städtebaulicher Sensibilität sowie pädagogischer Innovation zu einem zukunftsweisenden, identitätsstiftenden Ort.
Mit der Umsetzung des Campus war nach dem Realisierungswettbewerb 2018 das Frankfurter Büro Schmidt Plöcker Architekten beauftragt worden. Ihr Entwurf ergänzt das denkmalgeschützte Schulgebäude von 1912 und einen weiteren Bestandsbau aus den 1980er-Jahren durch drei moderne Neubauten, die gemeinsam einen zentralen Campusplatz einfassen. Die offene, einladende Gestaltung und die intelligente Anordnung der Baukörper gewährleisten eine klare Orientierung, funktionale Abläufe und hohe Aufenthaltsqualität. Prägendes Element sind dabei die warmgrauen, detailreich gestalteten Klinkerfassaden, die sämtliche Baukörper fließend miteinander verbinden und einen stimmigen Übergang zum Bestand herstellen.
An den Altbau aus dem Jahr 1912 schließen sich nach Südosten bzw. Südwesten direkt die beiden zwei- bzw. dreigeschossig ausgebildeten Neubauten für die Sekundarstufe I und II an. Das Gebäude der Sekundarstufe I bildet dabei gemeinsam mit dem Altbau ein Ensemble, das über ein Plateau verbunden ist. Beide Gebäude werden bestimmt durch ihre hell verklinkerten Fassaden mit vertikal angeordneten Fenstern, großzügig verglasten Erdgeschossen und deutlich zurückspringenden Eingangsbereichen. Innen prägen großzügige Foyers, flexible Lerninseln und bewusst gestaltete Rückzugsorte das Raumgefühl, zusätzlich sorgen Oberlichter im Kernbereich für viel Tageslicht. Das Ergebnis ist ein helles, wohnliches Ambiente, das durch natürliche Materialien und eine klare Formensprache unterstützt wird.
Ergänzt wird der Campus durch eine ebenfalls hell verklinkerte, teilversenkte Zweifeldsporthalle mit weitläufigem Sportpark und Schulgarten: Laufbahn, Soccer-Platz, Kugelstoßanlage und Kletterwand fördern Bewegung und Begegnung im Schulalltag. Der Schulgarten und die großzügigen Grünzonen bieten sowohl Rückzugsorte als auch praktische Lernmöglichkeiten. Nach Süden wurde zudem ein bestehender Altbau-Komplex aus den 1980er-Jahren zur Mensa mit innenliegendem Pavillon umgebaut.
Sandgrau gestaltete Klinkerfassaden
Besonderes Augenmerk legten die Planer auf die Auswahl eines hochwertigen Klinkers: „Damit sich die Neubauten harmonisch in das Schul- und Stadtbild einfügen, wollten wir einen ortstypischen Stein verwenden, der den rötlichen Farbton der umliegenden Bebauung und des historischen Schulbaus in nuancierter Form aufgreift“, berichtet Architekt Markus Plöcker. „Ebenso haben wir darauf geachtet, eine Fassadengestaltung zu wählen, die zeitlos ist und gleichzeitig ruhig wirkt.“ So kam schließlich der Röben Handstrichverblender WIESMOOR sandgrau-kohle in einer leicht modifizierten Variante mit reduziertem Kohleanteil zum Einsatz.
Das feine Farbspiel der Klinker verleiht den Baukörpern eine warme, einladende Ausstrahlung und unterstreicht ihre Eigenständigkeit im Ensemble. Zusätzlich betont wird die Wirkung der im Normalformat gelieferten Steine durch eine helle Verfugung und den gewählten Läuferverband. Ein besonderer Blickfang ist dabei ein als Lochfassade ausgebildeter vertikaler Fassadenabschnitt zum Schulhof. Ganz wesentlich für die Optik der Fassade sind zudem die optisch angepassten anthrazitfarbenen Fensterrahmen, Eingangstüren und Attikaverblendungen aus Zink, deren Farbton die Grautöne des Sockelbereichs des Altbaus aufgreift. Entstanden ist ein wohlproportionierter Schulkomplex, der architektonisch wie städtebaulich gleichermaßen überzeugt.
Schmidt Plöcker Architekten
FRANKFURT AM MAIN