Zirkulär, urban, charakterstark: Wohn- und Bürogebäude MARK in Amsterdam
Photo © Röben/Luuk KramerMitten im transformierten Industrieareal von Amsterdam-Buiksloterham setzt das Wohn- und Bürogebäude MARK einen markanten architektonischen Akzent. Der helle Klinkerbau von Marc Koehler Architects orientiert sich in seiner Formensprache an Loft-Wohnungen in New York und erfüllt zugleich höchste Ansprüche an Nachhaltigkeit und Zirkularität.
Der nördlich der Innenstadt und jenseits des Flusses IJ gelegene Stadtteil Amsterdam-Buiksloterham wurde lange Zeit durch den Schiffbau und andere industrielle Produktion bestimmt. In den vergangenen 15 Jahren hat sich das Areal rund um die ehemalige NDSM-Werft zu einem lebendigen Wohn-, Arbeits- und Szenequartier entwickelt. Es zieht immer mehr Kreative und junge Familien anzieht und bietet Raum für ungewöhnliche architektonische Konzepte sowie neue Formen urbanen Wohnens. Ausgehend von dem Anspruch, Buiksloterham zum ersten „zirkulären“ Stadtviertel der Niederlande zu machen, wird dabei Wert gelegt auf eine hohe Wiederverwendbarkeit von verbauten Materialien.
Inspiriert durch die Architektur New Yorker Loft-Gebäude
Zu den spannendsten Neubauten dort zählt das nach Plänen von Marc Koehler Architects fertiggestellte Wohn- und Bürogebäude MARK. Das kontrastreich gestaltete Ensemble ist in seiner industriellen Anmutung von der Architektur New Yorker Loft-Gebäude inspiriert. Es setzt sich zusammen aus zwei gestuft von sechs auf neun Geschosse ansteigenden Klinkervolumen, die über einen großzügig verglasten, dreigeschossigen Riegel miteinander verbunden sind. Der nach Nordwesten hin gelegene Baukörper ist hell verklinkert, der orthogonal angrenzende Block ist im Kontrast mit bräunlich-grünen Klinkern gestaltet. Gemeinsam bieten sie Raum für 72 Loft-Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von rund 4.000 Quadratmetern. In den drei unteren Ebenen finden sich zusätzlich flexible Einheiten zum Wohnen und Arbeiten, der gläserne Verbindungsbau integriert außerdem größere Gewerbeeinheiten.
Im Kern des Gebäudes haben die Planer außerdem ein öffentlich zugängliches Atrium integriert, das als zentraler Erschließungs- und Begegnungsraum fungiert und mit Gastronomie und (Co-)Working-Spaces einen lebendigen Treffpunkt im Quartier bietet. Komplettiert wird das Konzept durch weitere Ladeneinheiten im Erdgeschoss, eine Tiefgarage sowie eine für die Bewohnerinnen und Bewohner gemeinschaftlich nutzbare Dachterrasse.
Hohe Nachhaltigkeit
Eine wichtige Rolle bei der Planung des Projekts spielte das Thema Nachhaltigkeit. Das beginnt bei der energieeffizienten Gebäudetechnik und reicht bis zur konsequent zukunftsorientierten Materialwahl. Im Sinne der städtebaulichen Vorgaben des Entwicklungsgebiets Buiksloterham, das sich als Modellquartier für zirkuläres Bauen versteht, kamen überwiegend langlebige und wiederverwendbare Baustoffe zum Einsatz. Bei der Fassadengestaltung wurde dieser Anspruch durch die Wahl des besonders widerstandsfähigen und dauerhaften Materials Klinker umgesetzt, das die Planer nicht nur ästhetisch, sondern auch im Hinblick auf Lebenszyklus und Wartungsarmut überzeugte. Ganz bewusst kamen dabei zwei Klinker mit unterschiedlichen Farben zum Einsatz. Der kraftvolle Farbkontrast verleiht dem Ensemble eine prägnante Identität und spiegelt zugleich die gestalterische Vielfalt des Quartiers wider.
Zur Ausbildung der hellen Fassade fiel die Wahl nach eingehender Bemusterung auf den Röben Keramik-Klinker OSLO perlweiß glatt im nur 210 x 100 x 50 Millimeter großen, in den Niederlanden weit verbreiteten Waalformat. Auf der Baustelle wurden die insgesamt 110.000 Klinker und 38.000 Riemchen teilweise hochkant im Grenadierverband gemauert, ein ungewöhnliches, aber bewusst gewähltes Detail, das die vertikale Gliederung der Fassade betont. Parallel dazu wurden einige Abschnitte ganz konventionell im homogenen Läuferverband gemauert, unter anderem im Bereich der zurückliegenden Loggien. Der helle Fugmörtel in sämtlichen Bereichen lässt die Fugen optisch zurücktreten und betont damit den keramischen Ausdruck der Fassade.
Die Steine überzeugten die Architekten nicht nur aufgrund ihrer hohen Qualität, sondern auch wegen ihrer subtil glänzenden Oberfläche. Zusätzlich sprachen auch bauphysikalische Überlegungen für die Röben Keramik-Klinker: „Denn durch ihre geringe Wasseraufnahme wird der Schmutz, der sich in der Großstadt überall absetzt, vom nächsten Regen einfach wieder abgewaschen“, erklärt Marc Koehler.
Marc Koehler Architects
AMSTERDAM
Fünf Fragen an Marc Koehler
Herr Koehler, was ist für Sie das Besondere an MARK?
Marc Koehler: Das Quartier Buiksloterham im Norden Amsterdams ist ein besonderer Ort – mit industrieller Vergangenheit, aber auch mit enormem Transformationspotenzial. Uns hat es gereizt, ein Gebäude zu entwerfen, das diesen Wandel architektonisch aufgreift und weiterschreibt. MARK ist deshalb mehr als ein Wohn- oder Bürohaus. Es ist ein kleiner Mikrokosmos mit Atrium, Gastronomie, Co-Working-Flächen und gemeinschaftlich nutzbaren Bereichen. Es bringt Menschen zusammen und schafft genau jene Aufenthaltsqualität, die ein zukunftsfähiges Stadtquartier braucht.
Was war Ihnen bei der architektonischen Umsetzung besonders wichtig?
MK: Wir wollten eine Struktur entwickeln, die sich im Laufe der Zeit an veränderte Anforderungen anpassen kann. Deshalb basiert MARK auf einem flexiblen Konzept, insbesondere im Erdgeschoss und in den beiden darüber liegenden Ebenen. Hier lassen sich verschiedene Programme wie Wohnen, Arbeiten oder Gewerbe kombinieren, etwa durch Duplexwohnungen, Ateliernutzungen oder Gastronomie. Die offene Tragstruktur mit großzügigem Stützenraster und raumhoher Verglasung schafft Transparenz zum Stadtraum und fördert damit auch die soziale Interaktion auf Augenhöhe.
Ein zentrales Element ist außerdem das dreigeschossige Atrium im Kern des Gebäudes. Das war ursprünglich gar nicht vom Bauherrn gefordert, sondern ist ein architektonischer Mehrwert, den wir dem Projekt hinzugefügt haben. Der überdachte Innenhof bringt Tageslicht ins Innere, schafft ein witterungsgeschütztes, unbeheiztes Forum und bietet einen halböffentlichen Ort der Begegnung zwischen Bewohnern und den Nutzern der Gewerbeeinheiten. Möglich wurde das Atrium durch die spezifische Geometrie des Baukörpers: Die beiden Gebäudeteile sind zueinander verdreht und auf unterschiedliche Weise gestaffelt, sodass Sonnenlicht tief zwischen die Volumen dringt. Aufgrund der großen Gebäudetiefe ergab sich deshalb die Möglichkeit, einen überdachten Innenhof einzufügen.
Die Architektur von MARK erinnert an Loft-Gebäude in New York. Warum dieser Bezug?
MK: Bei der Entwicklung von MARK hat mich die Architektur klassischer Loft-Gebäude in den New Yorker Stadtteilen SoHo oder im Meatpacking District inspiriert. Dort wurden ehemalige Industrie- und Lagerbauten in hochwertige Wohn- und Arbeitsräume umgewandelt. Was diese Gebäude so besonders macht, ist ihre robuste Tragstruktur mit großzügigen Spannweiten, hohen Decken und großen Fensterflächen, die vielseitige Nutzungen ermöglichen – vom Wohnen über das Arbeiten bis hin zu Gastronomie oder Hotelnutzung. Zugleich besitzen die Gebäude durch ihre klare Fassadengliederung und sorgfältige Details eine starke architektonische Identität.
Diesen Gedanken haben wir auf MARK übertragen: Zwei streng geschnittene Baukörper, die sich zueinander verdrehen und jeweils unterschiedlich auf den Stadtraum reagieren. Die kontrastierende Fassadengestaltung mit weißen und grün-braunen Klinkern unterstreicht diese Dualität. Ziel war es, ein Gebäude zu schaffen, das fest im Stadtbild verankert ist und das einen identitätsstiftenden Ort mit hohem Wiedererkennungswert bietet. Gleichzeitig sollte die Struktur so flexibel sein, dass sich die Nutzungen im Laufe der Zeit verändern können. Diese Kombination aus funktionaler Offenheit und architektonischer Qualität verlängert die Lebensdauer eines Gebäudes erheblich, von 50 auf vielleicht 200 Jahre.
Die Fassade spielt eine zentrale Rolle. Was war Ihnen bei der Materialwahl besonders wichtig?
MK: Die Fassade ist für uns nicht nur technische Hülle, sondern immer auch Träger von Geschichte, Identität und kollektiver Erinnerung. Im Ergebnis sollte MARK ein Gebäude sein, das über seine aktuelle Nutzung hinaus Bestand hat und zur Landmarke im Quartier wird. Die weißen Klinker spielen da eine wichtige Rolle. Sie reflektieren das Licht und verleihen dem Gebäude eine fast mediterrane Leichtigkeit. Für uns war das auch ein bewusster Verweis auf die rationalistische Architektur italienischer Architekten wie Aldo Rossi oder Giorgio Grassi. Diese Schule hat mich mit ihrer Idee einer abstrakten, grafischen Formensprache fasziniert, mit ihren Bauten, die sich auf die Geschichte beziehen, aber dennoch zeitlos wirken. Hinzu kommt: Das Quartier Buiksloterham versteht sich als Pilotgebiet für zirkuläres Bauen: Für uns bedeutete das, Materialien nach ihrer Lebensdauer zu bewerten und auf Wiederverwendbarkeit zu achten. Das Material Klinker ist da eine hervorragende Wahl, denn es ist dauerhaft und praktisch wartungsfrei.
Warum haben Sie sich für den Röben-Klinker OSLO perlweiß glatt entschieden?
MK: Wir haben uns für den Röben-Klinker OSLO perlweiß glatt entschieden, weil er sowohl technisch als auch ästhetisch überzeugt. Der Stein ist extrem hart, dadurch besonders langlebig und – wie erwähnt – nahezu wartungsfrei, ein großer Vorteil im urbanen Kontext. Dank seiner geringen Wasseraufnahme bleibt er dauerhaft sauber und wirkt fast selbstreinigend. Besonders schätzen wir auch die changierende Oberfläche: Je nach Lichtverhältnissen erscheint sie mal matt, mal leicht glänzend. Das verleiht der Fassade eine subtile Tiefe und Lebendigkeit.