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Hamburg-Eilbek: Wohnanlage mit WDVS

In Hamburg-Eilbek wurde eine Wohnanlage mit 107 Wohnungen aus den 1950er Jahren energetisch saniert. Um das bestehende Stadtbild des Quartiers nicht zu zerstören, wurde ein WDVS mit roten Röben Klinkerriemchen aufgebracht.

Schon seit einigen Jahren wird in Hamburg eine sehr kontroverse Diskussion zum Thema Glas und Stahl oder Ziegelmauerwerk im Städtebau geführt. Selbst der Hamburger Altbundeskanzler Helmut Schmidt meldete sich zu Wort und verteidigte engagiert das Erbe Fritz Schumachers, der als Architekt und Oberbaudirektor der Stadt das Bild in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts durch Ziegelbauten geprägt hat. Aktuell geht es aber nicht nur um Neubauten in der City, sondern um ganze bestehende Wohnquartiere in den umliegenden Stadteilen, die durch die Modernisierung und energetische Sanierung mit Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) ihr Bild verändern.

Verantwortung der Bauherren und Architekten
Auch der junge Hamburger Architekt Dirk Henninger sieht das Einsparen von Heizenergie in Gebäuden als wichtige Aufgabe, deren Bedeutung in Zukunft noch zunehmen wird. Im Interesse einer qualitätvollen Veränderung appelliert er daher einerseits an die Bauherren, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und Architekten mit diesen Bauaufgaben zu betrauen, andererseits aber auch an die Architekten, ihre Gestaltungsverantwortung immer auch im städtebaulichen Zusammenhang zu sehen.

Bei der Sanierung von vier roten Ziegelbauten mit drei bis fünf Geschossen aus dem Jahr 1957 im Hamburger Eilbektal hat er seine Vorstellungen umgesetzt. Die Gebäude mit insgesamt 107 Wohnungen von jeweils 48 – 66 m² Wohnfläche gruppieren sich hier um einen Innenhof mit altem Baumbestand. Der Architekt F. R. Ostermeyer, der schon in den 1930er Jahren für die Schiffszimmerer-Genossenschaft am Bau des Hamburger Backsteinquartiers „Jarrestadt“ beteiligt war, ist auch der Architekt dieser Bebauung.

Einfache, aber prägende Architektur
Die Nachkriegszeit verlangte nach einer wirtschaftlichen Bauweise. So wurde das ehemals im Stil der Gründerzeit bebaute Stadtviertel mit einfachen Zeilenbauten, gereiht oder im Karree, wieder errichtet. Der damals verwendete Ziegel war in der Regel  nur schwach gebrannt, die Fassaden ohne Dekor oder Ornamente. Das Mauerwerk bestand aus einer klassischen zweischaligen Konstruktion mit 24 cm tragendem Mauerwerk, einer Schalenfuge und 11,5 cm Verblendschale aus Ziegel. Auch wenn diese Fassaden für sich betrachtet nicht von herausragender architektonischer Qualität sind, so prägt der Ziegel doch das Stadtbild.

Daher war es für den Architekten und die Schiffszimmerer Genossenschaft als Bauherrn selbstverständlich, einen roten Ziegel auch in der neuen Fassade als optisch dominierendes Material einzusetzen. Dabei sollte im Rahmen der technischen Möglichkeiten einer geplanten WDVS-Konstruktion wieder eine möglichst „echte“ Ziegelfassade erreicht werden. Die Verwendung echter, gebrannter Klinkerriemchen war dabei auch in Hinblick auf die dauerhafte optische Wirkung alternativlos. „Sie fassen sich an wie Ziegelsteine, sehen aus wie Ziegelsteine und wirken selbst aus der Nähe nicht aufgeklebt“, erläutert Architekt Dirk Henninger.

Bauphysikalische und ökonomische Vorteile
Die Gestaltung war aber nur ein Argument für die Riemchen. Das Risiko, dass sich Algen oder Grün auf einem WDVS bilden, das lediglich mit Putz ausgeführt wird, ist – ebenso wie die resultierenden Folgekosten - groß. Auf sanierten Fassaden mit echten Ziegelriemchen haben die Planer hingegen bisher praktisch keine Grünbildung beobachtet. So fiel auch aus bauphysikalischer und ökonomischer Sicht die Entscheidung zugunsten der Ziegelriemchen aus gebranntem Ton.

Ausgewählt wurde das Röben-Klinkerriemchen WESTERWALD bunt, glatt (im Dünnformat, wie der Bestand), weil es alle Voraussetzungen hinsichtlich Gestaltung und technischer Eigenschaften erfüllt. Dafür, die Fassade vollständig mit Riemchen zu bekleiden, wollte sich der Architekt aber nicht entscheiden. Bei der Neugestaltung hat er stattdessen die Gelegenheit genutzt, der Fassade den schweren Eindruck durch die große Baumasse und die relativ gleichförmige Gliederung zu nehmen. Um die vorhandene, ordnende Struktur der Fassade aufzulockern und aufzuhellen, wurde sie mit gezielt gesetzten Wechseln zwischen Putz-, Ziegelflächen und Balkonen gestaltet. So ergibt sich eine mehrschichtige, den Bestand jedoch würdigende, ansprechende Fassade.

Die Röben-Riemchen wurden den Angaben des Systemanbieters entsprechend auf die Dämmung geklebt und im Schlämmverfahren verfugt. Dieses  technisch sehr sichere Verfahren zur Herstellung schlagregendichter Fugen war ein weiteres Argument für das gewählte Riemchen-Produkt.

Umfassende Modernisierung
Neben der Modernisierung der Fassaden hat die Schiffszimmerer-Genossenschaft auch sonst einiges für ihre Mieter getan. Die Erdgeschosse bekamen Terrassen, die Obergeschosse große Balkone und mit der Gestaltung des Innenhofes wurde ein Garten- und Landschaftsarchitekt beauftragt.

Das Wichtigste aber ist die Reduzierung der künftigen Energiekosten: Der errechnete Heizwärmebedarf reduziert sich um mehr als 50%, die CO2-Emissionen um ca. 138 to. pro Jahr.

Planung: Dipl.-Ing. Dirk Henninger, Freier Architekt, Hamburg

Fotos:  Urs F. Kluyver
 



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