„Alt“ und Neu im Dialog – Verwaltungsgebäude in Baar (CH)
Photo © Röben/Christof MöriIm zentralschweizerischen Baar hat der Vermögensverwalter Partners Group seinen neuen Hauptsitz bezogen. Herzstück des Ensembles sind zwei neu errichtete Bürogebäude, die mit ihren ausdrucksstarken Backsteinfassaden aus einer Röben Handstrich-Objektsortierung WIESMOOR erd-bunt die Anmutung alter Industriehallen aufgreifen. Als bewusster Kontrast ergänzt ein organisch geformtes „Green Building“ mit begrünten Terrassen und weißen Putz-/Glasfassaden den Campus.
Die Partners Group AG, ein weltweit tätiger Schweizer Vermögensverwalter für Privatmarktanlagen, hat in der rund 25.000 Einwohner zählenden Stadt Baar im Kanton Zug ihren neuen Hauptsitz bezogen. Nach Plänen von Axess Architekten aus Zug ist rund 30 Kilometer südlich von Zürich ein markant inszeniertes Ensemble aus drei Bürogebäuden entstanden, in dem insgesamt etwa 1.400 Mitarbeitende tätig sind.
Bei der Planung des Projekts schwebte dem Bauherr ausgehend von der Gestaltung am amerikanischen Hauptsitz in Denver eine ungewöhnliche Verbindung von Alt und Neu vor, die auf den ersten Blick die Corporate Identity des Unternehmens visualisieren sollten. Zwei der Gebäude haben die Architekten deshalb als gelbbraune Backsteinbauten im Stil alter Industriehallen umgesetzt. Der dritte Bau ist demgegenüber als „Green Building“ in futuristisch-organischer Architektur gestaltet. Die drei Baukörper sind durch verglaste Passerellen direkt miteinander verbunden. Gemeinsam bilden sie einen kontrastreich gestalteten Campus, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bildhaft miteinander verknüpft.
„Alt“ und Neu im Dialog
Bei der Umsetzung der beiden „Altbauten“ haben sich die Planer von der Architektur alter Industriehallen des 19. Jahrhunderts inspirieren lassen. Durch die Zusammenstellung von sichtbarem Mauerwerk, großzügigen Fensterflächen, industriellen Materialien und robusten Details ist eine ungewöhnliche Arbeitskulisse entstanden, die schon auf den ersten Blick Solidität und Beständigkeit ausstrahlt. Ein zentral platzierter Schornstein unterstreicht diesen Charakter und verleiht dem Ensemble zusätzlichen Reiz. Im Innenraum prägen hohe, offene Räume mit diagonalen und vertikalen Blickbeziehungen das Bild. Im Zusammenspiel haben die Architekten eine überraschende Transparenz, Helligkeit, Großzügigkeit und Raumkraft erreicht, die dem industriellen Äußeren eine zeitgemäße Offenheit entgegensetzt: „Die gebaute Leere mit dem Spiel der einzelnen Ebenen und der daraus generierten diagonalen Sichtbezüge ist in der Schweiz einmalig“, so Architekt Philipp Ullrich.
Als bewusster Kontrast ergänzt das sogenannte „Green Building“ das Ensemble. Entstanden ist ein organisch geschwungenes, siebengeschossiges Terrassenhaus, das sich deutlich von den strengen Linien der beiden Backsteinbauten abhebt. Die üppig begrünten Terrassen und das Dach dienen als „fünfte Fassade“ und tragen zur lokalen Klima¬regulation bei, fördern Biodiversität und steigern die Aufenthaltsqualität.
Ausdrucksstark gestaltete Klinkerfassade
Große Aufmerksamkeit widmeten die Planer der Wahl des Klinkers, der dem Ensemble seinen prägenden Charakter verleiht. Nach intensiver Bemusterung fiel die Entscheidung auf eine Objektsortierung des Röben Handstrich-Verblenders WIESMOOR erd-bunt im Normalformat. Der Stein überzeugte die Verantwortlichen vor allem durch seine feine Struktur und das lebendige Farbspiel zwischen warmen Erd- und zarten Rottönen.
Auf der Baustelle wurde der Klinker im harmonischen Läuferverband gemauert und hell verfugt. Das Ergebnis ist eine ausdrucksstarke Fassade, die Licht und Schatten differenziert aufnimmt und dem Gebäude je nach Tageszeit und Wetter immer neue Facetten verleiht. Parallel zum Mauerwerk erfolgte die Verblendung der Innenräume mit identischen Riemchen.
So ist eine Fassade entstanden, die nicht nur Robustheit und Beständigkeit ausstrahlt, sondern auch eine außergewöhnliche Sinnlichkeit und Materialität vermittelt.
Dach zuerst: Konstruktive Lösungen mit Fertigteilen
Sämtliche Segmentbögen, Grenadierstürze und Fensterbänke wurden von Röben als Fertigteilelemente geliefert. „Eine besondere Herausforderung stellte allerdings die Planung der Dachrandelemente mit der dazugehörigen Befestigung dar“, so Marko Kolbe, Leiter des Röben PlanungsService: Sie ragen oben bis zu einem Meter über die Betonhinterkonstruktion hinaus. „Daher haben wir gewaltige Elemente mit einer Höhe von bis zu 2,50 Metern entwickelt, die wir dann in ihren mittleren und unteren Bereichen mit unterschiedlichen Edelstahlankern an der Hinterkonstruktion befestigen konnten“.
Eine weitere Besonderheit: Um das Dach möglichst frühzeitig schließen zu können, wurden die Dachrandelemente nicht - wie üblich - oberhalb des konventionell fertig erstellten Mauerwerks montiert und angepasst. Vielmehr mussten die Maurer ihr ganzes handwerkliches Können unter Beweis stellen, um ihre Arbeit punktgenau unterhalb der bereits vorab montierten Fertigteile zu vollenden und einen unsichtbaren Übergang zu den Fertigteilen sicherzustellen.
Das Ergebnis ist eine spannende Synthese von „Alt“ und Neu, die sich beim Partners Group Campus einer gängigen Einordnung ganz bewusst entzieht.
Axess Architekten
ZUG (CH)
axess.ch