Die Wissenschatztruhe – Bibliothek in Rokietnica bei Posen

Der nach Plänen von Lab 3 Architekci in Stahlbetonbauweise erstellte dreigeschossige Kubus überzeugt durch seine klare und moderne Architektursprache. Fassade: Röben Keramik-Klinkerriemchen AARHUS weißgrau.

 

Die polnische Architekturszene hat in den vergangenen Jahren mehrfach durch spannende Projekte auf sich aufmerksam gemacht; zuletzt unter anderem durch den Neubau des Geschichtszentrums in Posen (Ad Artis Architects), durch den Neubau des Shakespeare-Theaters in Danzig (Renato Rizzi), das 2017 den Fritz-Höger Preis gewann, oder durch den Neubau der Philharmonie in Stettin (Barozzi Veiga), die 2015 mit dem renommierten Mies van der Rohe Award bedacht wurde, dem wichtigsten europäischen Architekturpreis.

 

Ebenso hochwertig wie die genannten Beispiele präsentiert sich auch die 2017 fertiggestellte öffentliche Bibliothek von Rokietnica, einer kleinen, schnell wachsenden Gemeinde mit rund 15.000 Einwohnern, gelegen rund 20 Kilometer nordwestlich von Posen. Der dreigeschossige Kubus weiß sich selbstbewusst gegenüber dem Umfeld zu behaupten; ein zentrales Gestaltungselement ist dabei das elegant ausformulierte Zusammenspiel von hellen Klinkerfassaden und großen, flächenbündig in die Fassaden eingelassen Fensterflächen, die jeweils mit schlanken schwarzen Profilen eingefasst sind.

 

Zusätzliche Qualität erhält der Bibliotheksbau durch eine gelungene Anbindung an die Umgebung sowie durch ein vielfältiges Nutzungskonzept: Um möglichst kurze Wege für die Besucher zu ermöglichen und eine deutliche Aufwertung des neu geschaffenen Ortskernes zu erreichen, schließt der Kubus in Richtung Osten über eine gläserne Brücke direkt an ein vor wenigen Jahren neu errichtetes multifunktionales Sport- und Kulturzentrum an. Im Innenraum des Neubaus finden sich auf einer Gesamtnutzfläche von 1.700 Quadratmetern neben der im ersten Obergeschoss gelegenen Bibliothek mit Lesesaal, Unterrichtsräumen und Verwaltung auch ein kleines Café sowie eine kleine Galerie im Erdgeschoss. Im 2. Obergeschoss stehen zusätzlich Technik- und Archivräume zur Verfügung. Im Zusammenspiel der unterschiedlichen Funktionen hat die Gemeinde Rokietnica damit wie gewünscht einen komplett neuen Mittelpunkt erhalten.

 

Trotz seiner reduzierten Architektursprache bietet der Neubau je nach Perspektive völlig unterschiedliche Ansichten: Von der Erschließungsstraße Sportowa her kommend trifft der Blick zunächst auf die nach Westen hin orientierte Eingangsfront des Gebäudes. Überraschend wurde hier ein raumhoch verglastes Erdgeschoss mit dahinter liegendem Foyer geschaffen, über dem die ansonsten komplett geschlossene Klinkerfassade gleichsam über der Erde zu schweben scheint; ganz so, als hätten die Architekten im Handumdrehen sämtliche physikalischen Gesetzmäßigkeiten außer Kraft gesetzt. Auf der Südseite des Gebäudes wird die helle Mauerwerksfassade zusätzlich durch ein langgestrecktes horizontales Fensterband im ersten Obergeschoss geöffnet, um so einen fließenden Übergang von Innen und Außen zu schaffen.

 

Weiter südöstlich ist durch einen Rücksprung in der Kubatur ein kleiner Vorplatz mit einem weiteren Zugang zum Gebäude entstanden. „Die skulptural gestaltete Wendeltreppe ermöglicht dabei einen ungewöhnlichen Zugang zu der unter anderem als Sternenwarte genutzten Dachterrasse“, erklärt Projektarchitekt Dominik Banaszak das Konzept. Deutlich geschlossener präsentieren sich demgegenüber die Nord- und die Ostfassade des Neubaus. Hier wurde das Erdgeschoss im Kontrast zu dem darüber liegenden Mauerwerk in grau verputztem Beton ausgebildet.

 

Großen Wert legten die Architekten auf geeignetes Klinkermaterial für die Außenfassade. So fiel die Wahl auf die Keramik-Klinkerriemchen AARHUS weißgrau im Normalformat: „Ausgehend vom städtebaulichen Kontext haben wir nach einem hellgrauen Riemchen mit sichtbarer Textur gesucht“, berichtet Dominik Banaszak. „Anfangs hatten wir nach passenden, handgemachten Steinen gesucht. Aufgrund der hohen Kosten und der höheren Feuchtigkeitsabsorption haben wir uns aber schließlich für die AARHUS-Riemchen von Röben entschieden. Die Klinker bieten eine ausdrucksstarke Textur und Farbdifferenzierung und haben uns außerdem aufgrund ihrer guten bauphysikalischen Eigenschaften überzeugt.“ Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die hellen Klinkerflächen mit hellgrauer Fuge betonen das moderne Erscheinungsbild des Neubaus und fügen die Bibliothek gleichzeitig harmonisch in den städtebaulichen Kontext ein.

 

Planung: Lab 3 Architekci, Posen (PL)
Fotos: Michał Pęczak




Keramik-Klinker AARHUS weißgrau

AARHUS

weißgrau
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