Klinker
Klinkerriemchen
Handformverblender FORMBACK-rot-braun
FORMBACK
rot-braun
Klinker
Klinkerriemchen
MOORBRAND lehm-bunt, NF
MOORBRAND
lehm-bunt
Klinkerriemchen
Keramik-Klinkerriemchen CALAIS
CALAIS

Neu belebt – Umbau eines Industrieareals in Bad Homburg

Foto © Röben/Cornelia Suhan

Nach Jahren des Leerstands wurde das frühere Werksgelände des Getriebeherstellers PIV in Bad Homburg zum „Industriepark Löw“ transformiert. Nach Plänen von hsp.architekten wurden die teilweise aus den 1950er-Jahren stammenden Hallen und Büros saniert, ergänzt und mit charakteristischen Klinkerfassaden neu interpretiert. Das Ergebnis ist ein harmonisches Ensemble, das Industriegeschichte überzeugend mit zeitgemäßer Nutzung verbindet.

Über Jahrzehnte prägte die 1928 gegründete „PIV Antrieb Werner Reimers KG“ das wirtschaftliche Gesicht von Bad Homburg: In Spitzenzeiten beschäftigte der Hersteller stufenloser Getriebe rund 1.800 Mitarbeitende und war der größte Arbeitgeber der Stadt. Kurz nach der Jahrtausendwende musste das Unternehmen dann nach knapp 75 Jahren Unternehmensgeschichte Insolvenz anmelden. Das weitläufige Stammgelände lag danach brach. Vom ursprünglichen architektonischen Konzept des Standorts aus den 1950er-Jahren war seinerzeit aber durch zahlreiche ­Erweiterungen, Überdachungen und Zusammenlegungen von Hallen ohnehin kaum etwas erhalten geblieben.

 

Neue Nutzung der verschiedenen Gebäude

Es folgten mehrere Eigentümerwechsel, bis schließlich die Löw Grundstücks- und Entwicklungsgesellschaft 2021 die Hälfte des Areals erwarb und die Fläche zum „Industriepark Löw“ transformierte. Auf einer Fläche von rund 35.000 Quadratmetern wurden historische Hallen und Bürogebäude saniert, teilweise zurückgebaut und durch moderne Neubauten ergänzt. Mit der architektonischen Planung und Umsetzung der Maßnahme wurde das ortsansässige Büro hsp.architekten beauftragt.

 

Als markanter Auftakt des Areals fungiert zunächst das nach Osten zur Justus-von-Liebig-Straße gelegene ehemalige Verwaltungsgebäude aus dem Jahr 1955, das im Zuge der Umnutzung vollständig entkernt, modernisiert und durch eine neue ­Industriehalle ergänzt wurde. Das Areal beherbergt heute das Kundencenter der Stadtwerke Bad Homburg, Konferenzbereiche, Werkstätten, eine Cafeteria und den Monteur-Stützpunkt. Hinzu kommen der DRK Kreisverband Hochtaunus, die ellen wille THE HAIR-COMPANY mit Logistikzentrum und Büroneubau, das Katastrophenschutzzentrum des Hochtaunuskreises, die Firma Mainmetall sowie eine moderne Energiezentrale.

 

Kontrast von Alt und Neu

Im Rahmen der Transformation haben wir gemeinsam mit dem Bauherrn das Ziel verfolgt, die historischen Gebäude aus den 1950er-Jahren wieder sichtbar werden zu lassen und diese mit modernen Hallen zu erweitern. Die alten Hallenbereiche mit den geringen Stützweiten waren nicht mehr zeitgemäß“, beschreibt Architekt Uwe Stoll das grundlegende Konzept. „Die historischen Gebäude wurden kernsaniert und haben zeitlose Fassaden aus Klinkerriemchen und modernen Aluminium-Fensterelementen erhalten. Die neuen Hallen haben wir demgegenüber eher funktional mit wärmegedämmten Sandwich-Paneelen umgesetzt. So entsteht ein deutlicher Kontrast und zugleich ein reizvolles Zusammenspiel von historischer Bausubstanz und modernen, funktionalen Industriehallen.“

 

Für die Fassadengestaltung wurde - nach einer zuvor durchgeführten Bemusterung mit verschiedenen Sorten und Mischungen - eine Sortierung aus Handform-Riemchen gewählt: 80% FORMBACK rot-braun und 20 % MOORBRAND lehm-bunt. „Die Röben Handform-Riemchen haben uns vor allem mit ihrer Vielfalt und dem klassischen Erscheinungsbild der Ziegeloberflächen begeistert“, erläutert Uwe Stoll. „So unterstützen sie unsere Idee, die historischen Gebäude mit einem langlebigen und damit besonders nachhaltigen Material wie gebranntem Ton erlebbar zu machen. Außerdem harmonieren die Handform-Riemchen hervorragend mit den dunkelgrauen Industriefenstern sowie den verschiedenen Elementen aus verzinktem Stahl.“

 

Eigene Identität

Ganz wichtig war es dem Bauherrn, dass die einzelnen Standorte ihre jeweils eigene Identität erhalten sollten. Ganz bewusst kamen deshalb in einigen Bereichen zwei unterschiedliche Klinkerriemchen von Röben zum Einsatz. Eine Besonderheit stellt der Standort 2 dar, in dem jetzt das DRK untergebracht ist: „Hier haben wir das zweite Obergeschoss mit einem anderen Riemchen ausgeführt, um ablesbar zu machen, dass es sich um eine Aufstockung handelt“, erklärt Uwe Stoll. Im unteren Bereich kamen daher helle Röben Keramik-Klinkerriemchen CALAIS zum Einsatz, für den oberen Bereich wurden die auch sonst verwendeten Röben Handform-Riemchen FORMBACK rot-braun gewählt. Die 14 Millimeter starken Riemchen wurden im Normalformat geliefert, im Halbstein-Läuferverband verarbeitet und hell verfugt.

 

Ein gelungenes Detail sind die handwerklich ausgeführten Lisenen sowie die Vor- und Rücksprünge („Faschen“) im Bereich der Fenster, die der Fassade Tiefe und Plastizität verleihen. Sie zitieren dabei die historischen Gliederungselemente der Fassaden aus den 1950er-Jahren: „Die Fenster im oberen Bereich haben wir im Kontrast sprossenlos ausgeführt und zusätzlich mit Alu-Verbundplatten gegliedert“, erklärt Uwe Stoll. „Der Übergang zwischen dem unteren und dem oberen Fassadenbereich wird durch eine horizontal umlaufende Abdeckung aus Zink betont.“ Im Ergebnis lassen sich Alt und Neu damit auf den ersten Blick unterscheiden.

 

hsp.architekten

BAD HOMBURG

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