Urban verdichtet – Quartier Schützengarten in Dresden
Photo © Röben/Cornelia SuhanMit dem Dresdner Quartier Schützengarten ist gleich neben Zwinger und Semperoper eine beeindruckende Wohnanlage mit fast 500 Wohnungen entstanden. Die von Nöfer Architekten geplante und gemeinsam mit weiteren Büros realisierte Blockrandbebauung greift die historische Struktur des Viertels auf und überzeugt durch elegant geschwungene Architektur mit hellen Klinkerfassaden: Keramik-Klinkerriemchen NIZZA perlweiß und CALAIS.
In unmittelbarer Nähe zu Zwinger und Semperoper und direkt gegenüber vom S-Bahnhof Dresden-Mitte ist jetzt das Quartier Schützengarten fertiggestellt worden. Wo früher zwei achtgeschossige Bürogebäude des VEB Energiebau Radebeul und ein Betonbunker aus den 1980er Jahren standen, sind im ersten Bauabschnitt insgesamt 17 Häuser mit 479 Wohnungen entstanden, davon mehr als ein Viertel barrierefrei. Hinzu kommen rund 2.000 Quadratmeter Gewerbeeinheiten für Einzelhandel, Gastronomie, Büros und Praxen sowie ein sogenanntes Torhaus mit 76 Wohnungen für betreutes Wohnen. Die städtebauliche Planung für das Projekt stammt – aufbauend auf einem Werkstattverfahren – aus der Feder von Nöfer Architekten aus Berlin, die planerische Umsetzung erfolgte gemeinsam mit Bollinger + Fehlig Architekten und Sahlmann Planen, um die Vielfalt des Quartiers zu fördern. Ein gemeinsamer Gestaltkanon stellt dabei eine einheitliche Ensemblewirkung sicher.
Abwechslungsreich gegliederte Blockrandbebauung
Das Projekt vereint urbane Dichte, soziale Vielfalt und grüne Freiräume in optimaler Lage. Bei der Gesamtplanung haben sich die Architekten an der historischen Stadtstruktur der Wilsdruffer Vorstadt orientiert. So ist eine abwechslungsreich gegliederte und städtebaulich gelungen eingebundene Blockrandbebauung mit vier- bis siebengeschossigen Stadthäusern und geschwungenen Gebäudefluchten entstanden.
Sie umschließen drei großzügig begrünte Innenhöfe. Der zentrale Quartiersplatz erinnert dabei an den historischen Schützengarten und lenkt den Blick auf das denkmalgeschützte Schießhaus aus dem 18. Jahrhundert – eines der wenigen Überbleibsel der ländlichen Bausubstanz am Standort: „Dieser ruhige Innenbereich eröffnet neue Wege- und Sichtbeziehungen innerhalb des Stadtkerns und stellt die überörtliche Vernetzung des Quartiers und dessen Anschluss an die umliegende Bebauung her“, erklärt Architekt Tobias Nöfer. Komplettiert wird das Projekt durch drei neue Erschließungsstraßen, die sich an historischen Plänen orientieren.
Großer Wert wurde auf das Thema Nachhaltigkeit gelegt: Rund 80 Prozent der Dachflächen erhalten Photovoltaikanlagen, während in den Tiefgaragen 190 Pkw-Stellplätze, davon rund ein Drittel mit E-Ladepunkten sowie über 950 Fahrradstellplätze entstehen. Hinzu kommt, dass der beim Rückbau abgebrochene Beton vor Ort recycelt und beim Bau wiederverwendet wurde. Das gesamte Projekt wurde durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) begleitet und zertifiziert.
Bei der Höhenentwicklung und den Fassaden der dreigeteilten Blockrandbebauung haben sich die Architekten an den benachbarten, denkmalgeschützten Bestandsbauten orientiert. Entlang der Schützengasse in Richtung Süden sind die Gebäude deshalb in Richtung der niedrigeren Bestandsbebauung absteigend gestaffelt, während sie zur Könneritzstraße nach Nordwesten sukzessive bis auf sieben Geschosse aufsteigen, um sich mit der historischen Gründerzeitbebauung gegenüber vom S-Bahnhof messen zu können. Ein markanter Blickfang sind hier vor allem die beiden halbkreisförmig hervortretenden „Turmbauten“ mit dem dazwischen gelegenen Torhaus, das Zugang zum Innenhof bietet und gleichzeitig eine öffentliche Durchwegung in Richtung Innenstadt ermöglicht. Ähnlich gestaltet präsentiert sich auch die elegant geschwungene Gebäudeflucht nach Nordosten mit ihrer abgerundeten Gebäudeecke in Richtung Schützenplatz.
Die konkrete Ausgestaltung des Projekts wurde durch Nöfer Architekten gemeinsam mit weiteren Büros umgesetzt, um gestalterische Varianzen zu gewährleisten und die Vielfalt des urbanen Quartiers zu fördern. Im Ergebnis wurde eine facettenreiche Gliederung der einzelnen Baukörper erreicht, die sich wohltuend von vergleichbaren Projekten abhebt. Der nach Westen zur Könneritzstraße hin orientierte, durch Nöfer Architekten umgesetzte Fassadenabschnitt wurde dabei fast durchgehend mit hellen Klinkerriemchen in einem für Dresden typischen Farbton bekleidet. In anderen Bereichen finden sich auch hell verputzte Fassadenflächen, bei denen die Keramik-Klinkerriemchen wegen ihrer mechanischen Belastbarkeit zum Teil für die Sockelgeschosse gewählt wurden.
Differenzierte Mauerwerkslösungen
Für die Mauerwerksflächen kamen vorwiegend die Röben Keramik-Klinkerriemchen NIZZA perlweiß und CALAIS im schlanken, lediglich 52 Millimeter hohen Dünnformat zum Einsatz. Der überwiegende Teil der Riemchen wurde in einer Dicke von 14 Millimetern geliefert. Mit zusätzlich produzierten 25 Millimeter-Riemchen war es möglich, ohne besonderen Aufwand die 11 mm vorstehenden Reliefstreifen zu realisieren. Die Dämmebene konnte so trotz der Akzente in der Fassade durchgängig in gleicher Stärke erstellt werden – eine enorme Zeit- und Kostenersparnis.
Um jedoch das von den Architekten teilweise gewünschte Lochmauerwerk zu realisieren, mussten diese Bereiche konventionell mit ganzen Steinen aufgemauert werden. Der Übergang zu den Riemchen bleibt unsichtbar. So werden Reliefs und einzeln hervorstehende Steine einmal mit stärkeren Riemchen, im konventionellen Mauerwerk hingegen mit entsprechend vorgezogenen Vollsteinen realisiert.
Rundungen in der Fassade wurden, je nach gefordertem Radius, sehr unterschiedlich mit speziellen Formziegeln, aus Köpfen, Grenadierschichten oder ganzen Steinen umgesetzt. Auch Winkelriemchen für Ecken, die nicht 90° aufweisen, wurden von Röben exakt passend geliefert.
Die hell verfugten, vorwiegend im Läuferverband verarbeiteten Steine betonen den offenen und freundlichen Charakter der Wohnanlage und sorgen gleichzeitig dafür, dass sie sich trotz ihrer Größe sensibel in die vorhandene Bebauung einfügt.
Nöfer Architekten
BERLIN