Runde Ecken, eckige Rundungen – Polizeigebäude in Bremerhaven
Photo © RöbenDer Bremerhavener Stadtteil Geestemünde hat ein neues Polizeigebäude erhalten. Der sechsgeschossige Entwurf des Bremer Architekturbüros Haslob, Kruse und Partner zeichnet sich durch seine markante Formensprache aus und überrascht mit feinen Details in der Klinkerfassade. Handstrichverblender WIESMOOR rotblau-bunt.
Ob Hochschule, Historisches Museum oder Alfred-Wegener-Institut: Überall in Bremerhaven finden sich gelungene Zeugnisse moderner Backsteinarchitektur. Ein weiteres Beispiel für diese tief verwurzelte Tradition ist der im Stadtteil Geestemünde vor wenigen Wochen fertiggestellte Neubau des örtlichen Polizeireviers. Mit seiner elegant abgerundeten und plastisch abwechslungsreich gestalteten Klinkerfassade markiert der sechsgeschossige Neubau den südlichen Eingang zur Stadt und fungiert gleichzeitig als Tor zum angrenzenden Werftquartier, das in den kommenden Jahren vom Hafengebiet zu einem modernen Stadtteil mit hoher Lebensqualität transformiert werden soll.
Der Neubau an der vielbefahrenen Georgstraße, Ecke Nansenstraße ersetzt das bislang genutzte Polizeigebäude in der Klußmannstraße, das schon seit längerem nicht mehr den heutigen Anforderungen an Barrierefreiheit und moderne Arbeitsumgebungen entsprach. In den unteren vier Ebenen des Neubaus sind die Wache, die Kontaktpolizisten, die Vernehmungsräume, die Büroräume sowie die Sozialräume für die Polizei untergebracht, im 4. Obergeschoss finden sich zusätzlich Büroräume für den Landes-Datenschutzbeauftragten. Die obere Ebene des Gebäudes wird als Technikgeschoss genutzt. Bauherr des Neubaus ist die STÄWOG-Unternehmensgruppe mit Sitz in Bremerhaven, als Generalübernehmer fungierte die Gottfried Stehnke Bauunternehmung GmbH & Co. KG aus Osterholz-Scharmbeck.
Komplexe Gebäudeform
Die Entwurfsplanung erfolgte – nach einer europaweiten Ausschreibung – durch das Bremer Architekturbüro Haslob, Kruse + Partner, das in den vergangenen Jahren unter anderem das Forschungsgebäude Fraunhofer MEVIS oder das Reedereigebäude Beluga in Bremen entworfen hat.
Um das erforderliche Raumprogramm zu integrieren, haben die Planer einen markanten Klinkerbau entwickelt, der sich aus drei unterschiedlich hohen Volumen zusammensetzt. Die Verbindung der drei Baukörper untereinander erfolgt über ein verglastes Treppenhaus sowie eine gläserne Fuge zum eingeschossigen Gebäudeteil.
„Durch die abgerundeten Gebäudeecken zur Straße hin entsteht ein kraftvolles, unverwechselbares Bild aus allen Perspektiven, das den gewünschten Auftakt zum dahinterliegenden Werftgelände bildet“, so die Architekten.
Ein weiteres prägnantes Detail des Entwurfs sind die horizontal umlaufenden, aus Reliefs gebildeten Klinkerbänder, die dem Ensemble seine dynamische Form verleihen und zugleich seine Adresse an der belebten Kreuzung betonen. Zusätzlich akzentuiert wird die horizontale Gliederung durch die streng symmetrisch platzierten, dabei bronzefarben eingefassten Aluminiumfenster sowie ein ebenfalls bronzefarbenes Metallband, das die Bauteile umschließt und dabei auch die Vordächer bildet, mit denen die Eingänge betont werden.
Modern detaillierte Fassade
Stilprägend für den Neubau ist jedoch vor allem die kraftvoll gestaltete Klinkerfassade: „Das Material steht für Dauerhaftigkeit, für Material- und Oberflächenbeschaffenheit mit langen Gebrauchszeiten“, erklären die Architekten dazu. Hinzu kommt, dass sich der Bau damit wie selbstverständlich in die vorhandene Klinkerarchitektur der Hafenstadt Bremerhaven einfügt. Um dem hohen Anspruch bei der Umsetzung des Projekts gerecht zu werden, wählten Planer und Generalübernehmer in enger Abstimmung mit dem Bauherrn den rustikalen Röben Handstrich-Verblender WIESMOOR rotblau-bunt im Normalformat. Die lebhaft kolorierten, im anspruchsvollen Halbstein-Läuferverband vermauerten Steine betonen den starken Charakter der Architektur und schaffen gleichzeitig einen schönen Kontrast zu den bronzefarben eingefassten Fenstern.
Eine besondere Herausforderung war die Umsetzung der abgerundeten bzw. auskragenden Gebäudeecken. Hier wurden Fertigteile eingesetzt, die das auf ihnen konventionell erstellte Mauerwerk geschossweise abfangen. Eingearbeitet waren dabei bereits die Klinkerbänder, die sich im fortlaufenden Mauerwerk in jeder zweiten Reihe aus 25 Millimeter hervorstehenden Klinkern finden. Auch sämtliche Fensterstürze sowie die Überdeckungen der Öffnungen des Sichtmauerwerks im Innenbereich wurden als Fertigteile geliefert; denn die kraftvolle Materialwirkung mit dem robusten Klinker wird im Gebäudeinneren fortgeführt und gewährleistet so eine durchgängige Gestaltsprache mit fließendem Übergang. Insgesamt hat Röben 364 Ziegelfertigteile geplant, gefertigt und zur Baustelle geliefert.
Gelungene Einbindung
Komplettiert wird der Entwurf durch einen kleinen Stadtplatz vor dem Gebäude, der Passanten als Aufenthaltsbereich dient. Zudem steht eine Carport-Anlage für Einsatzfahrzeuge zur Verfügung. Die Flachdächer sind extensiv begrünt und mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet, auf dem eingeschossigen Gebäudeteil bietet eine begrünte Dachterrasse zusätzlichen Freiraum. Mit seiner optimierten Dämmung und der geothermischen Nutzung des Untergrundes mittels Erdsonden zur CO2-neutralen Beheizung ist der Neubau das bundesweit erste Polizeirevier, das sich vollständig klimaneutral mit regenerativer Energie betreiben lässt.
Haslob Kruse + Partner
BREMEN
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